projektkrise 2004geschichte

 

Aslan Abashidze
Vorsitzender der „Democratic Revival Union of Georgia“
Vermittler und Berater der georgischen Regierung im Abchasien-Konflikt

 

Zu Spielbeginn hatte ich mir Ziele gesteckt, die mehr oder weniger erreichbar schienen. Das ich am Ende jedoch relativ weit weg von all den Zielen ankam, hätte ich am Anfang nicht vermutet.

Meine Ziele primären Spielziele waren:
Schwächung des (Ex-)Präsidenten Schewardnadse bzw. dessen Absetzung
Aufrechterhaltung der priviligierten Stellung Adjariens in Georgien und meiner Familie
stärkere außenwirtschaftliche Verflechtungen, insb. zur Türkei aber auch zu Armenien und Russland
Stärkung des Staates Georgien nach außen bei gleichzeitigen starker Stellung der Teilgebiete innerhalb Georgiens (Vorbild sei westlicher Förderalismus)

Zu Beginn des Spieles ging es mir in erster Linie um die wirtschaftlichen Beziehungen zur Türkei und Armenien. Ziel war es, Adjarien weiter zu stärken und eine breitere Schicht in Georgien und im Ausland für mich zu gewinnen. In Armenien konnte ich zumindest die Opposition zu einer ersten Vereinbarung bewegen. Die Türkei sperrte sich jedoch kategorisch gegen jede wirtschaftliche Zusammenarbeit. Dabei blieb es im Laufe des Spieles auch, da die anderen Verhandlungspartner zunehmend in andere Konflikte verwickelt wurden und sich für Ökonomie keine Zeit mehr fand.
Jedoch erwuchs daraus die Zusammenarbeit der oppositionellen Gruppen Georgiens, Armeniens und Aserbaidschans. Diese Gruppe war immerhin in der Lage, die jeweils anderen in der Öffentlichkeit zu unterstützen (na ja – mehr oder weniger sinnvoll). Später schloss sich auch der Iran inoffiziell dieser Gruppe an.

Nach und nach wollte ich Schewardnadses Macht schwächen. Zunächst sollten dazu verschiedene Diffamierungs- und Lügenkampanien dienen, die jedoch in der Presse kaum Beachtung fanden. Dazu kam, dass auch von Schewardnadse verschiedene Aktionen gegen mich gestartet wurden. Diese wurden so gefährlich(so schien es zumindest), dass mir von verschiedenen Seiten geraten wurde, das Land zu verlassen. So habe ich mich ins Exil in den Iran begeben. Im letzten Spielzug habe ich in einem Selbstmordattentat Schewardnadse in die Luft gesprengt. Im nachhinein habe ich mich über den Zug geärgert, da er doch sehr realitätsfremd war und einfach nur eine Kurzschlusshandlung war. Ich hätte mich mit dem Spielende so abfinden sollen, wie es war. Das wäre zwar unbefriedigend gewesen, aber so sind in der realen Politik nunmal viele Ereignisse.

Innerhalb Georgiens habe ich die Bemühungen Ossetiens und Abchasiens unterstützt, ohne jedoch allzu radikalen Beschlüssen zu folgen. Ebenso gab ich Russland die Möglichkeit, sich in Adjarien wirtschaftlich und militärisch zu bewegen. Meine Haupthoffnung war eine breitere Front gegen Schewardnadze, die jedoch nie so richtig zustande kam. Grund dafür war u.a. die einsetzenden Tumulte in Tblissi und in Abchasien.

Das größte Problem, das ich als Akteur hatte, war die relative Bedeutungslosigkeit meines Anliegen und meiner Ziele verglichen mit den Konflikten, z.B. in Abchasien oder Moskau. Alleine zu agieren machte daher wenig Sinn und brachte mich den Zielen nicht näher. Deswegen versuchte ich im Spielverlauf immer wieder neue Allianzen und Bündnisse aufzubauen, die jedoch aufgrund meiner begrenzten Macht und Einflusssphäre oftmals einseitig waren und nicht lange Bestand hatten. Darin lag im Prinzip auch die Herausforderung im Spiel: aus dem Schatten des Teilstaates Adjarien herauszutreten. Dies hätte vielleicht funktioniert, hätte es nicht Tamaz Nadareishvili gegeben. Als Oppositionspolitiker hat er sich einfach alle Möglichkeiten offengehalten und am Ende alle gegeneinander ausgespielt. Nach meinem Selbstmordanschlag hat er sich ins Private zurückgezogen, so dass Georgien am Ende des Spiels ohne politische Führung dastand – Nadareishvili sollte die Führung eigentlich übernehmen.

Was Korruption und „krumme Geschäfte“ angeht, so habe ich versucht, mich weitestgehend aus solchen Dingen herauszuhalten, um eine weiße Weste zu behalten. Hat auch funktioniert; es wurde nur nie zu einem politischen Kriterium, da ja offensichtlich alle politischen Aktuere rings um den Kaukasus korrupt waren (dazu zählen auch Angehörige internationaler Organisationen).

Eigentlich wurde es nie so richtig ernst um Adjarien, selbst als türkische Truppen an der Grenze aufmarschierten (Realitätsgehalt?). Sieht man es aus der realen Perspektive, so muss man froh sein, dass es ruhig geblieben ist. Als Fazit kann ich also sagen: Wenn auch nicht spektakulär, so ist doch zumindest der Frieden in Adjarien erhalten geblieben und es ist nicht in die „Revoluzzer-Verhältnisse“ des restlichen Landes abgedriftet. Keine Toten ist in diesen Zeiten im Kaukasus oftmals ein viel erstrebenswerteres Ziel als bestimmte politische Konstellationen, auch wenn die natürlich das primäre Spielziel aller Beteiligten waren.

Nach dem Spiel kann ich sagen, dass diese Erfahrung sehr beeindruckend war. Als Außenstehender denkt man oft, warum ein Politiker dies oder das unternimmt oder eben auch nicht. Schlüpft man mal in eine solche Rolle, so stellt man fest, dass einem oftmals die Hände gebunden sind oder aber einfach auf Desinteresse bei anderen stößt. Die Verhältnisse im Kaukasus lassen sich zwar sicher nicht eins zu eins auf andere Länder oder Regionen übertragen, zeigen aber wie eingschränkt politischer sog. Freiraum oftmals ist.

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