Abdullah
Gül
Außenminister der Türkei
_Biographie
*29.10.1950
(Vater: Handwerker und Vorbeter in der Stadtmoschee)
VWL-Studium in Istanbul, Abschluss: Promotion Ende der 70er-Jahre
(im Rahmen der Dissertation Stipendien für Studium in Exeter
und London)
1980: nach Militärputsch 15 Tage Haft wegen „Gefahr der
Volksaufwiegelung“
bis 1983: lehrt Wirtschaft an der Uni Sakarya
1983-1991: Anstellung als Wirtschaftsexperte an der Islamischen Bank
für Entwicklung (IDB) in Dschidda, Saudi-Arabien
politische Karriere: 1991 Einzug mit der später verbotenen Wohlfahrtspartei
(islamist.) ins Parlament, 1993 stellvertretender Parteivorsitzender,
1996 Staatsminister für Äußeres und Sicherheit, 1998
nach Verbot der Wohlfahrtspartei Eintritt in die Tugendpartei, 2001
nach Verbot der Tugendpartei gründen er und Erdogan die AKP (Partei
für Gerechtigkeit und Entwicklung), nach AKP-Sieg 2002 wird Gül
vorübergehend Premierminister, weil Erdogan formell vorbestraft
ist, 1.03.2003: AKP-Fraktion stimmt gg. einen Einsatz türkischer
Streitkräfte im Irak trotz Erdogans Appell, Mitte März 2003
tritt Gül zurück und überlässt Erdogan den Posten
- spricht fließend Englisch und Arabisch
- ist seit 22 Jahren verheiratet und hat drei Kinder
= fromm-konservativer Wirtschaftsexperte
mit Auslandserfahrung
_Interessen
_Mittel
Allgem.
Wehrpflicht: 18-36 Monate, Streitkräfte: 515 100 Mann (402 000
Armee,
60 100 Luftstreitkräfte, 53 000 Marine), erfahren im Guerilla-Kampf
durch innerstaatlichen Kurden-Konflikt; zahlreiche Verbindungen zur
islamistischen Szene
_Freunde
Aserbaidschan
(„gemeinsame Geschichte, Kultur und Religion“), Georgien,
Europa, NATO, USA (Irritationen nach dem Irak-Krieg), Russland
strategische Allianz mit Israel
_Feinde
Armenien:
es bestehen keinerlei diplomat. Bez. zu Armenien (Armenien akzeptiert
die türk.-arm. Grenze nicht und erhebt Gebietsansprüche),
Türkei leugnet den Völkermord an Armeniern von 1915
_Institutionen
Glaube
spielt wichtige Rolle: frühes Engagement in verschiedenen islamistischen
Vereinigungen (Bsp: während Studienzeit in England Mitglied im
Hilfsverein für türkische Studenten); Beziehungen zur islamistischen
Szene verhelfen ihm nach Rückkehr aus dem Ausland zu seiner Dozentenstelle
90er-Jahre: Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats
in Straßburg
Türkei = Mitglied in UN, NATO, Europarat, OSZE; Handelsabkommen
mit EU und EU-Beitrittskandidatin
_Kuriositäten
Minderwertigkeitskomplexe
als Kleinkind (sonst wäre er nach Wunsch seines Vaters Kaufmann
geworden); seine Frau trägt als gläubige Muslimin das in
der Türkei heftig umstrittene Kopftuch; er gilt als angenehm-humorvoller
Gesprächspartner ("Auch ich verbringe meinen Urlaub lieber
in Kalifornien als in Teheran"), der allerdings in schwierigen
Situationen knallhart sein kann; soll nun einen Aufsatzbewerb für
türkische Schulkinder zum „Kampf gg. die Völkermordslüge“
(? Armenien) in Auftrag gegeben haben