Dr. Seyed Kamal Kharrazi
Iranischer Außenminister
Spielziele
1. Entspannung im Kaukasus
2. US-Einfluss zurückdrängen
2. a) US-Einmarsch in Iran verhindern
2. b) Isolation des Iran verhindern
3. Förderung der islamischen Kultur im Rahmen einer friedlich-akzeptierenden
Koexistenz der Religionen
Strategien
Um dem Image der "Achse des Bösen" entgegenzuwirken,
da Entspannung ein Hauptziel war und ich niemanden unnötig gegen
mich aufbringen wollte, hatte ich mir vorgenommen, mich - so weit
als möglich - auf friedliche, nicht-offensive, diplomatische
Aktionen zu beschränken.
Außerdem wollte ich ein großes Netz guter Beziehungen
mit möglichst vielen (auch weniger Iran-freundlichen) Akteuren
aufbauen, um möglichst wenig von einzelnen Partnern abhängig
zu sein, und die von den USA angestrebte Isolation des Iran zu verhindern.
Dazu sollte das Einnehmen von Vermittlerrollen gehören, um den
Iran als friedliche, ethisch korrekte Instanz zu präsentieren.
Probleme/Handlungsstränge
Unterstützung der Oppositionen in den Nachbarländern
Armenien und Aserbaidschan
Um auf legitime Art proiranische Regimewechsel in den Nachbarstaaten
Armenien und Aserbaidschan zu begünstigen, wurden die beiden
Oppositionsführer Demirchjan und Ali Akram Aliev durch Gelder
für Informations-und Imagekampagnen und Ähnliches unterstützt.
Es war nicht immer einfach, die beiden nach Macht strebenden Oppositionspolitiker
an einem überstürzten Militärputsch zu hindern und
so musste die Vergabe der Gelder streng zweckgebunden erfolgen.
Und doch gelang es schließlich in der letzten Runde in Armenien
kontrollierte Neuwahlen und in Aserbaidschan einen vom Volk gewaltsam
initiierten Machtwechsel herbeizuführen - beide zu Gunsten der
pro-iranischen Oppositionen.
Vermittlerrolle
Besonders in der Frage der Enklave Bergkarabach versuchte ich mich,
als Vermittler für eine friedliche Lösung einzusetzen, was
zunehmend schwieriger wurde, da sich aller drei beteiligten Parteien
mehr und mehr den USA näherten, und unter deren Einfluss gerieten.
So kam es auch nicht zu der von mir angestrebten Lösung eines
Korridors auf iranischem Boden der Aserbaidschan mit seiner in Armenien
gelegenen Enklave verbinden sollte und so die Abhängigkeit Aserbaidschans
vom Iran steigert hätte.
Zwischenzeitlich hatte ich mich auf Bitten der Türkei auch dafür
eingesetzt, die Türkei als neutralen Vermittler in der Karabach-Frage
einzusetzen, um der türkischen Regierung einen Gefallen zu tun
und ihr die Möglichkeit zugeben, vor Europa diplomatisches Geschick
zu beweisen, doch leider konnten diese Bemühungen die Türkei
nicht davon abhalten, sich mehr und mehr Amerika zu öffnen und
auf dessen Druck die diplomatischen Beziehungen zum Iran abzubrechen.
Auch in Tschetschenien hatten erste Sondierungen für eine Vermittlerrolle
des Iran begonnen, die dann allerdings aus irgend einem Grunde nicht
zu Stande kam. Die Position des Iran wäre recht günstig
gewesen, da ihm die tschetschenischen (wahrscheinlich auf Grund der
islamischen Ausrichtung) Vertrauen entgegen brachten, während
auch Russland vermehrt diplomatische Beziehungen und Vereinbarungen
zum Iran pflegte, seit den USA begonnen hatten, ihren Einfluss im
Kaukasus auszudehnen.
Geheimdienstnetzwerk
Durch mehrere Geheimdienst-Kooperationsverträge konnten nach
und nach ein recht umfangreiches Netzwerk aufgebaut werden, dass die
Geheimdienste der georgischen Separatistenstaaten Südossetien
und Abchasien sowie Russlands genauso umfasste, wie die Informationsdienste
der befreundeten Oppositionspolitiker in den Nachbarstaaten.
Durch den Abschluss eines umfassenden multilateralen Geheimdienstkooperationsvertrages
hatte sich so etwas wie eine informelle Anti-Amerika-Koalition manifestiert.
Befreiung Ali Akrams - militärische Reaktion Aserbaidschans
Nachdem der aserbaidschanische Präsident Aliev seinen Gegenspieler
Ali Akram ohne Angabe von Gründen ins Gefängnis geworfen
hatte und mir verraten hatte, dass er plane, diesen auf Druck der
Amerikaner an die USA auszuliefern, konnte ich Aliev kurzfristig davon
überzeugen, von dieser Auslieferung Abstand zu nehmen. Außerdem
schickte ich meinen Geheimdienst los, um Ali Akram aus dem Gefängnis
zu befreien, was ihm schließlich mit Hilfe des russischen Geheimdienstes
auch gelang.
Als Aliev jedoch erfuhr, dass der Iran hinter der geheimen Befreiung
Ali Akrams steckte, und göttliche Eingebung ihn fälschlicherweise
glauben machte, iranischem Militärtruppen hielten sich in Aserbaidschan
auf, nahm er das zum Anlass, die Grenze zum Iran zu schließen
und ein Kriegsschiff vor der iranischen Schwarzmeerküste zu stationieren.
Nachdem er bei einem versuchten Luftangriff auf harte Gegenwehr der
inzwischen an der gesamten Landesgrenze stationierten iranischen Armee
stieß, zog er sich jedoch schnell wieder zurück und unterließ
weitere Militäraktionen gegen den Iran.
Zudem konnte eine von der UNO eingesetzte Kommission bestätigen,
dass der Iran Ali Akram entgegen der amerikanischen Vorwürfe
nie mit Waffen oder militärischen Mitteln unterstützt hatte.
Aktion gegen den Terrorismus
Um zu demonstrieren, dass sich der Iran gegen den internationalen
Terrorismus einsetzt, lockte ich den allseits gefürchteten und
international gesuchten Terroristen Shengelia (alias "Cobra")
mit einem vorgetäuschten Plutonium-Angebot in eine Falle, und
nahm ihn mit Hilfe des russischen Geheimdienstes fest. Leider kam
es nicht dazu, die unkooperative Haltung der USA, die sich geweigert
hatten, mit dem Iran zusammenzuarbeiten, vor der Presse vorzuführen.
Unter der Verpflichtung Shengelias, seine vielfältigen vorangegangenen
Geschäftsbeziehungen, die zu vielen Staaten außer dem Iran
bestanden, aufzudecken, und in seinen Memoiren zu veröffentlichen,
wurde dieser in ein Zeugenschutzprogramm der Vereinten Nationen übergeben.
Fazit
Obwohl insgesamt keine Entspannung im Kaukasus stattgefunden hatte
(Ziel 1), und die USA sowohl in der Türkei als zunächst
auch in Armenien und Aserbaidschan deutlich an Einfluss gewonnen hatten,
(Ziel 2) konnte ein US-Einmarsch in Iran verhindert werden (Ziel 2a),
und schließlich die beiden pro-amerikanischen Regierungen in
Armenien und Aserbaidschan durch pro-iranische ersetzt werden (Ziel
2b).
Die Förderung der islamischen Kultur (Ziel 3) hat nur in der
Einsetzung Ali Akrams stattgefunden; zu einer Stärkung des islamischen
Tschetschenien ist es leider nicht gekommen. Die Religionsfrage hat
allerdings im gesamten Krisenspiel weniger Beachtung gefunden, als
es in der Realität wahrscheinlich der Fall ist.
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