projektkrise 2004geschichte

 

Dr. Seyed Kamal Kharrazi
Iranischer Außenminister

Spielziele

1. Entspannung im Kaukasus
2. US-Einfluss zurückdrängen
2. a) US-Einmarsch in Iran verhindern
2. b) Isolation des Iran verhindern
3. Förderung der islamischen Kultur im Rahmen einer friedlich-akzeptierenden Koexistenz der Religionen

Strategien

Um dem Image der "Achse des Bösen" entgegenzuwirken, da Entspannung ein Hauptziel war und ich niemanden unnötig gegen mich aufbringen wollte, hatte ich mir vorgenommen, mich - so weit als möglich - auf friedliche, nicht-offensive, diplomatische Aktionen zu beschränken.
Außerdem wollte ich ein großes Netz guter Beziehungen mit möglichst vielen (auch weniger Iran-freundlichen) Akteuren aufbauen, um möglichst wenig von einzelnen Partnern abhängig zu sein, und die von den USA angestrebte Isolation des Iran zu verhindern. Dazu sollte das Einnehmen von Vermittlerrollen gehören, um den Iran als friedliche, ethisch korrekte Instanz zu präsentieren.

Probleme/Handlungsstränge

Unterstützung der Oppositionen in den Nachbarländern Armenien und Aserbaidschan

Um auf legitime Art proiranische Regimewechsel in den Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan zu begünstigen, wurden die beiden Oppositionsführer Demirchjan und Ali Akram Aliev durch Gelder für Informations-und Imagekampagnen und Ähnliches unterstützt. Es war nicht immer einfach, die beiden nach Macht strebenden Oppositionspolitiker an einem überstürzten Militärputsch zu hindern und so musste die Vergabe der Gelder streng zweckgebunden erfolgen.
Und doch gelang es schließlich in der letzten Runde in Armenien kontrollierte Neuwahlen und in Aserbaidschan einen vom Volk gewaltsam initiierten Machtwechsel herbeizuführen - beide zu Gunsten der pro-iranischen Oppositionen.

Vermittlerrolle

Besonders in der Frage der Enklave Bergkarabach versuchte ich mich, als Vermittler für eine friedliche Lösung einzusetzen, was zunehmend schwieriger wurde, da sich aller drei beteiligten Parteien mehr und mehr den USA näherten, und unter deren Einfluss gerieten. So kam es auch nicht zu der von mir angestrebten Lösung eines Korridors auf iranischem Boden der Aserbaidschan mit seiner in Armenien gelegenen Enklave verbinden sollte und so die Abhängigkeit Aserbaidschans vom Iran steigert hätte.
Zwischenzeitlich hatte ich mich auf Bitten der Türkei auch dafür eingesetzt, die Türkei als neutralen Vermittler in der Karabach-Frage einzusetzen, um der türkischen Regierung einen Gefallen zu tun und ihr die Möglichkeit zugeben, vor Europa diplomatisches Geschick zu beweisen, doch leider konnten diese Bemühungen die Türkei nicht davon abhalten, sich mehr und mehr Amerika zu öffnen und auf dessen Druck die diplomatischen Beziehungen zum Iran abzubrechen.
Auch in Tschetschenien hatten erste Sondierungen für eine Vermittlerrolle des Iran begonnen, die dann allerdings aus irgend einem Grunde nicht zu Stande kam. Die Position des Iran wäre recht günstig gewesen, da ihm die tschetschenischen (wahrscheinlich auf Grund der islamischen Ausrichtung) Vertrauen entgegen brachten, während auch Russland vermehrt diplomatische Beziehungen und Vereinbarungen zum Iran pflegte, seit den USA begonnen hatten, ihren Einfluss im Kaukasus auszudehnen.

Geheimdienstnetzwerk

Durch mehrere Geheimdienst-Kooperationsverträge konnten nach und nach ein recht umfangreiches Netzwerk aufgebaut werden, dass die Geheimdienste der georgischen Separatistenstaaten Südossetien und Abchasien sowie Russlands genauso umfasste, wie die Informationsdienste der befreundeten Oppositionspolitiker in den Nachbarstaaten.
Durch den Abschluss eines umfassenden multilateralen Geheimdienstkooperationsvertrages hatte sich so etwas wie eine informelle Anti-Amerika-Koalition manifestiert.

Befreiung Ali Akrams - militärische Reaktion Aserbaidschans

Nachdem der aserbaidschanische Präsident Aliev seinen Gegenspieler Ali Akram ohne Angabe von Gründen ins Gefängnis geworfen hatte und mir verraten hatte, dass er plane, diesen auf Druck der Amerikaner an die USA auszuliefern, konnte ich Aliev kurzfristig davon überzeugen, von dieser Auslieferung Abstand zu nehmen. Außerdem schickte ich meinen Geheimdienst los, um Ali Akram aus dem Gefängnis zu befreien, was ihm schließlich mit Hilfe des russischen Geheimdienstes auch gelang.
Als Aliev jedoch erfuhr, dass der Iran hinter der geheimen Befreiung Ali Akrams steckte, und göttliche Eingebung ihn fälschlicherweise glauben machte, iranischem Militärtruppen hielten sich in Aserbaidschan auf, nahm er das zum Anlass, die Grenze zum Iran zu schließen und ein Kriegsschiff vor der iranischen Schwarzmeerküste zu stationieren. Nachdem er bei einem versuchten Luftangriff auf harte Gegenwehr der inzwischen an der gesamten Landesgrenze stationierten iranischen Armee stieß, zog er sich jedoch schnell wieder zurück und unterließ weitere Militäraktionen gegen den Iran.
Zudem konnte eine von der UNO eingesetzte Kommission bestätigen, dass der Iran Ali Akram entgegen der amerikanischen Vorwürfe nie mit Waffen oder militärischen Mitteln unterstützt hatte.

Aktion gegen den Terrorismus

Um zu demonstrieren, dass sich der Iran gegen den internationalen Terrorismus einsetzt, lockte ich den allseits gefürchteten und international gesuchten Terroristen Shengelia (alias "Cobra") mit einem vorgetäuschten Plutonium-Angebot in eine Falle, und nahm ihn mit Hilfe des russischen Geheimdienstes fest. Leider kam es nicht dazu, die unkooperative Haltung der USA, die sich geweigert hatten, mit dem Iran zusammenzuarbeiten, vor der Presse vorzuführen.
Unter der Verpflichtung Shengelias, seine vielfältigen vorangegangenen Geschäftsbeziehungen, die zu vielen Staaten außer dem Iran bestanden, aufzudecken, und in seinen Memoiren zu veröffentlichen, wurde dieser in ein Zeugenschutzprogramm der Vereinten Nationen übergeben.

Fazit

Obwohl insgesamt keine Entspannung im Kaukasus stattgefunden hatte (Ziel 1), und die USA sowohl in der Türkei als zunächst auch in Armenien und Aserbaidschan deutlich an Einfluss gewonnen hatten, (Ziel 2) konnte ein US-Einmarsch in Iran verhindert werden (Ziel 2a), und schließlich die beiden pro-amerikanischen Regierungen in Armenien und Aserbaidschan durch pro-iranische ersetzt werden (Ziel 2b).
Die Förderung der islamischen Kultur (Ziel 3) hat nur in der Einsetzung Ali Akrams stattgefunden; zu einer Stärkung des islamischen Tschetschenien ist es leider nicht gekommen. Die Religionsfrage hat allerdings im gesamten Krisenspiel weniger Beachtung gefunden, als es in der Realität wahrscheinlich der Fall ist.

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