projektkrise 2004geschichte

 

Vladimir Simonov
Journalist, Prawda

48 Stunden für Prawda und CNN live dabei…

Es war nicht absehbar, dass die Welt genau an diesem Wochenende beinah ihr apokalyptisches Ende im Kaukasus gefunden hätte!

Alle politischen Prognosen hatten diesem unruhigen Zipfel eine gedämpft zuversichtliche Entwicklung in Aussicht gestellt, die Lage schien zwar labil aber entwicklungsfähig zu sein. Besonders an diesem Wochenende sagte man dem gestellten Akteurs-Ensemble eine traditionell weitreichend pazifistische Veranlagung, sowie ein hohes Reflektionsvermögen nach. Doch nichts da, gefangen und gebannt in der Rolle von Vladimir Simonov wurde ich für Pravda und CNN Zeuge eines gigantischen psychosozialen Reaktionsspiels, das mich wieder einmal lehrte: „Die schlimmsten Kritiker der Elche waren früher selber welche…“

Aber Konkret, mein Ziel über die Kaukasus-Konflikte zu lernen und in der Rolle der Presse möglichst viele unterschiedliche Positionen wahrnehmen zu können, habe ich an diesem Wochenende weit übertroffen. Ich habe nicht nur über den Kaukasus gelernt, viel mehr habe ich begriffen, was es heißt der „Kaukasus –Konflikt“ zu sein.

Die Rolle der Presse stellte sich widererwarten weniger als ein quasi objektiver Überblickshochsitz dar, vielmehr war sie eher ein göttlichinspirierter Spielball der Akteure. Dabei jedoch nicht passiv sondern auf ihre Weise furchtbar selektiv, parteiisch und sensationsgeil. Zeitweise schienen mir die Konflikte komplett hausgemacht, der Medienkrieg war mehr präsent denn je. God save Berlusconi, Murdoch und die Medienclique – wag the dog!

Was bleibt, ist das Gefühl eines ungemein spannenden Projekts, das es verdient hat, ausgebaut und weiterentwickelt zu werden. Ein Ansatz dabei wäre in meinen Augen unbedingt die Einbeziehung von Kapital und Geldwerten, um den Einfluss und die Macht der Akteure noch besser justieren zu können. Ansonsten schien mir die Organisation, der Aufbau und der Ablauf ungemein produktiv und sinnvoll.

Ein halbes Jahr nach dem „beinahe clash of civilizations“ scheinen einige Szenarien wahrscheinlicher als wir es uns träumen lassen haben: Die Wahlen in Aserbaidschan waren eine Farce, die Attentate in Tschetschenien und im Nordkaukasus erreichen ein neues Höchstmass, der FSB-Putsch in Moskau war durch die Hilfe Putins auch erfolgreich und, klar, Schewadnatze wurde auch zum Teufel gejagt…

Fazit wir lagen gar nicht so falsch, einzig und allein Möllemann ist noch nicht wieder auferstanden, ach ja und Friedmann ist auch noch nicht mit den Leuten vom Mossad gesehen worden, sei’s drum ich bin dankbar für diesen Teil OSI im Frühjahr 2003.

Für Prawda, Vladimir Simonov, zurück in die Funkhäuser…


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