Vladimir Simonov
Journalist, Prawda
48 Stunden für Prawda und CNN live dabei…
Es war nicht absehbar, dass die Welt genau an diesem
Wochenende beinah ihr apokalyptisches Ende im Kaukasus gefunden hätte!
Alle politischen Prognosen hatten diesem unruhigen
Zipfel eine gedämpft zuversichtliche Entwicklung in Aussicht
gestellt, die Lage schien zwar labil aber entwicklungsfähig zu
sein. Besonders an diesem Wochenende sagte man dem gestellten Akteurs-Ensemble
eine traditionell weitreichend pazifistische Veranlagung, sowie ein
hohes Reflektionsvermögen nach. Doch nichts da, gefangen und
gebannt in der Rolle von Vladimir Simonov wurde ich für Pravda
und CNN Zeuge eines gigantischen psychosozialen Reaktionsspiels, das
mich wieder einmal lehrte: „Die schlimmsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche…“
Aber Konkret, mein Ziel über die Kaukasus-Konflikte
zu lernen und in der Rolle der Presse möglichst viele unterschiedliche
Positionen wahrnehmen zu können, habe ich an diesem Wochenende
weit übertroffen. Ich habe nicht nur über den Kaukasus gelernt,
viel mehr habe ich begriffen, was es heißt der „Kaukasus
–Konflikt“ zu sein.
Die Rolle der Presse stellte sich widererwarten weniger
als ein quasi objektiver Überblickshochsitz dar, vielmehr war
sie eher ein göttlichinspirierter Spielball der Akteure. Dabei
jedoch nicht passiv sondern auf ihre Weise furchtbar selektiv, parteiisch
und sensationsgeil. Zeitweise schienen mir die Konflikte komplett
hausgemacht, der Medienkrieg war mehr präsent denn je. God save
Berlusconi, Murdoch und die Medienclique – wag the dog!
Was bleibt, ist das Gefühl eines ungemein spannenden
Projekts, das es verdient hat, ausgebaut und weiterentwickelt zu werden.
Ein Ansatz dabei wäre in meinen Augen unbedingt die Einbeziehung
von Kapital und Geldwerten, um den Einfluss und die Macht der Akteure
noch besser justieren zu können. Ansonsten schien mir die Organisation,
der Aufbau und der Ablauf ungemein produktiv und sinnvoll.
Ein halbes Jahr nach dem „beinahe clash of civilizations“
scheinen einige Szenarien wahrscheinlicher als wir es uns träumen
lassen haben: Die Wahlen in Aserbaidschan waren eine Farce, die Attentate
in Tschetschenien und im Nordkaukasus erreichen ein neues Höchstmass,
der FSB-Putsch in Moskau war durch die Hilfe Putins auch erfolgreich
und, klar, Schewadnatze wurde auch zum Teufel gejagt…
Fazit wir lagen gar nicht so falsch, einzig und allein
Möllemann ist noch nicht wieder auferstanden, ach ja und Friedmann
ist auch noch nicht mit den Leuten vom Mossad gesehen worden, sei’s
drum ich bin dankbar für diesen Teil OSI im Frühjahr 2003.
Für Prawda, Vladimir Simonov, zurück in
die Funkhäuser…
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