| Luis Hernando Gomez Bustamante
"Die Macht der Drogen"
« C’est magnifique, mais ce n’est
pas la guerre!“
General Bosquet zu einem ganz anderen Zeitpunkt und zu einem ganz
anderen Thema
Langsam erhob sich die Sonne über die smaragdgrünen Gipfel
der Westkordillere. Ein neuer Morgen brach herein und ließ die
Berge in den unterschiedlichsten Grüntönen erstrahlen. Luis
Hernando Gomez Bustamante genoß diesen Moment des Tages. Er
war früh dran an diesem lauen Freitag Morgen im Mai. Er saß
auf der riesigen Terrasse seiner Hacienda, schaute auf das Meer und
saugte den Anblick, den Geruch des feuchten Grases und des Taus auf
seinen aus Holland importierten Zierblumen in sich auf.
Es roch nach Veränderung, eine knisternde Spannung lag in der
Luft. Wie sie sich entladen würde wusste keiner, nur dass sie
da war, spürte jeder. Es war einer dieser Momente eines Landes,
da alles Bisherige bloß ein Vorspiel gewesen war. Bustamante
wusste das. Er war bereit für Veränderungen, er war bereit,
die Geschicke seines Landes mitzubestimmen.
Gefährten
Don Diego, sein einstiger Gegenspieler im Kartell hatte sich zu einem
Frühstück angekündigt. Maria, Bustamantes treue, zuverlässige
und überaus hübsche Haushälterin geleitete ihn auf
die Terrasse. Lange hatten sich die beiden nicht gesehen, man beschloss,
den Streit beizulegen und zu kooperieren. Das folgende Jahr würde
zu viele Spannungen bringen, als das das Kartell einen Führungsstreit
verkraften könnte. Man wollte Verbündete finden, Uribe endlich
zu stürzen, die Gelegenheit schien günstig und auch der
Oppositionsführer Sanchez war ein viel versprechender Kandidat,
der sicher helfen könnte, den Druck auf das Kartell zu vermindern,
um gleichzeitig die Exportgeschäfte weiter anzukurbeln.
Ein paar Tage später trafen sich Don Diego und Bustamante mit
der AUC, es galt, weitere Verbündete zu finden, um endlich Veränderungen
herbeizuführen. Eine Kooperation mit den Paramilitärs war
perfekt.
Die ELN ließ sich ebenfalls überzeugen, mit ihnen gemeinsame
Sache zu machen. Von Venezuela besorgte das Kartell sowohl den Rebellen,
als auch der AUC Luftabwehr-Raketen, da die Sprühflugzeuge von
DynCorps schon seit längerer Zeit einen Großteil der Kokaernte
zunichte machten, ein nicht hinnehmbarer finanzieller Verlust. Ja,
sogar die Kirche ließ sich bewegen, den Drogenhandel zu unterstützen.
Ortiz versprach, seinen Mönchen und Pilgern etwas Dope unter
die Kutten zu stecken, sobald sie das Land verließen. Ein wundervolles
Geschäft mit göttlichem Segen!
Einen Monat später trafen die Stingers aus Venezuela ein. Gleichzeitig
versuchte Bustamante erstmals Kontakt mit Herrn Cofoni herzustellen,
nicht ohne Erfolg, wie sich zeigte: Man einigte sich, DynCorp für
dessen neuartige Flugzeugerfindung eine geeignete Sprühfläche
zur Verfügung zu stellen, zu Demonstrationszwecken der neuen
Technik. Gleichzeitig versprach Cofoni, seine Flieger des öfteren
mal im Hangar zu behalten. Was er aber nicht wusste: Bustamante, der
schlaue Fuchs, wählte als Schausprühfläche ein von
der UNEP deklariertes Naturschutzgebiet im Hochland Kolumbiens aus
– der Skandal war perfekt, Klaus Töpfer würde im Viereck
springen.
Als Cofoni einige Monate später seinen Flieger starten ließ,
geschah eine ökologische Katastrophe, selbst einige Dorfbewohner,
darunter Frauen und Kinder fanden den qualvollen Tod durch die versprühten
Herbizide.
Uribe muß weg
Längst wurde es aber auch Zeit, Uribe seines Thrones zu entheben.
Ein Skandal musste her: Schon seit längerem war klar, dass Uribe
eng mit den habgierigen Öl-Haien von Occidental Oil zusammenarbeitete.
Die Arbeitsmethoden von Occidental waren landesweit in Verruf geraten,
ein Generalstreik drohte. Eines Tages bekam Bustamante einen Anruf
eines führenden Mitarbeiters von Occidental: Er hatte Beweise
dafür, dass Occidental Millionenbeträge an Uribe überwies,
um Streiks niederzuschlagen und nach Belieben Personal zu entlassen.
Bustamante, dem soziales Handeln als oberstes Ziel gilt, handelte.
Der Mitarbeiter und seine Sekretärin sagten verdeckt vor der
Kamera aus.
Zugleich war ein neuer Verbündeter gefunden, Rodriguez, der Gewerkschaftsführer.
Man beschloss, den bevorstehenden Generalstreik eskalieren zu lassen,
die Streikenden sollten den von DynCorp gestellten Werksschutz beschießen,
beschimpfen und bespucken – leider ließ sich dieser jedoch
nicht zu einer Provokation hinreißen. Es hätte der Anfang
einer Revolution werden sollen. Der Anfang vom Ende Uribes.
The Mexican
Nicht ganz uninteressant schien Bustamante Mexikos Präsident
Fox zu sein. Eine geheime Telefonkonferenz wurde arrangiert. Während
Fox sich bereit erklärte, die Grenzen für „Kuriere“
des Kartells zu öffnen und die Spürhunde zurückzuhalten,
wollte das Kartell dafür sorgen, die Spannungen zwischen den
Rebellengruppen weiter aufrecht zu erhalten. So suchte Bustamante
wieder seine treuen Freunde von der AUC auf, um ihnen Unterstützung
im Kampf gegen die Farc zu verschaffen, besonders leichte und schwere
Infanteriewaffen sollte er an sie liefern. Zugleich beschloss man,
herauszufinden, wo sich Uribes Kinder, seine Eltern, seine Frau und
seine Verwandten aufhielten. Man wollte die gute kolumbianische Tradition
der Entführung aufrecht erhalten.
Von so viel Terror und Gewalt ganz müde, beschlossen Don Diego
und Bustamante, sich ihrer eigentlichen Aufgabe zu widmen - den Menschen
zu helfen. Sie bauten in ihrem Heimatort ein Kinderkrankenhaus, eine
Schule und einen Kindergarten. Wenigstens hier sollte niemand auf
der Straße sitzen und Klebstoff schnüffeln, nicht in seinem
Heimatort, dachte Bustamante, der sich sicher war, dass es nur Uribes
Schuld war, dass überhaupt so viele Kinder keine Perspektive
in diesem Land hatten. Aber wie geht ein altes kolumbianisches Sprichwort:
Gott hat dieses Land mit solcher Schönheit ausgestattet, dass
es dem Rest der Welt gegenüber ungerecht war; zum Ausgleich bevölkerte
er es mit der übelsten Sorte Menschen. Uribe war einer von ihnen,
da war Bustamante sich ganz sicher.
Im Sumpf der Gewalt
Neue Pläne zur Absetzung des Präsidenten wurden geschmiedet.
Die Kolumbianer sahen die Gewalt, sie empfanden sie aber auch gleichzeitig
als eine gemeinsame Erfahrung, ein gemeinsames Leid, das zu erdulden
zu einer traurigen Quelle nationalen Stolzes geworden war. Es gab
dem Leben in Kolumbien eine reichere Färbung, erhöhte die
Freude und vertiefte den Schmerz, ähnlich wie die roten und purpurnen
Blüten der Bougainvilleen und der silbrige Flaum der Espeletia
sich leuchtend von der feuchtgrünen Flanke eines Berges abhoben.
Bustamante gefiel diese Bild, er wollte handeln.
Inzwischen hatten sich zwei Gegenströmungen gegen Uribe entwickelt:
Sanchez als Einzelkämpfer auf der einen, eine Koalition des Bürgermeisters
von Bogota, den Gewerkschaften, der ELN, der Farc und der Kirche auf
der anderen. Das Kartell wollte zweigleisig fahren, wenngleich es
Sanchez favorisierte und von nun an mit großzügigen Geldgeschenken
für seinen Wahlkampf überhäufte.
Für Bustamante sollte die enge Verbindung zu Sanchez jedoch zur
Folge haben, dass die CIA auf ihn aufmerksam wurde. Als er und Sanchez
sich eines Tages in einem abgelegenen Restaurant in Bogota trafen,
um die weiteren Pläne für die Gründung von Sanchez’
neuer Ölfirma zu reden, stürmten plötzlich Sondereinsatzkräfte
das Lokal. Wie durch ein Wunder gelang Bustamante die Flucht, dabei
wurde er jedoch durch einen Querschläger am Bein verletzt. Doch
Gott ist mit den Gerechten, das wusste Bustamante seit seiner Geburt
und floh nach Mexiko.
Kaum in Mexiko angekommen, meldeten sich Cofoni und Laurance; sie
wollten einen staatlichen TV-Sender kaufen und brauchten dazu seine
Unterstützung. Über eine Bank des Kartells wurde der Sender
gekauft. Bustamante wusste, wozu das Fernsehen noch dienen konnte.
Er sicherte Sanchez Medienpräsenz zu und sorgte dafür, Sanchez’
angeschlagenes Image zu rehabilitieren.
Einige Tage später kam auch Rodriguez mit einer Bitte: Natürlich
war es kein Problem für Bustamante, zahlreiche minderjährige
Prostituierte, eine Fernsehkamera und jede Menge Stoff für eine
wilde Feier Uribes zu besorgen. Und so geschah es, dass Uribe das
Opfer einer immendorfschen Orgie wurde. Bustamante verspürte
Befriedigung.
Die Lage verschärft sich
Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sich wirklich etwas änderte.
Inzwischen sah auch das Kartell, dass sich in Regierungskreisen eine
Veränderung auftat. Wollte Bustamante mit seinem Freund Don Diego
noch einen Keil zwischen die Regierungs-Troika schlagen, ergab sich
alles von alleine. Der bevorstehende Putsch fand so aber auch durch
tatkräftige Unterstützung seitens des Kartells statt. Bustamante
verfluchte seinen Aufenthalt im Exil, wie gerne wäre er jetzt
in Kolumbien dabei!
Der Putsch gelang, die Zeiten sollten sich wieder bessern. Bustamante
hörte von einträglichen Geschäften mit arabischen Jagdfalken,
er stieg erfolgreich mit ein. Durch die Verhandlungen mit Mexiko erhöhte
sich der Drogenexport, DynCorp war durch die Besprühung des Naturschutzgebietes
diskreditiert, und selbst die CIA ließ sich um den Finger wickeln
– Informationen gegen Amnestie war der Deal.
Grund genug, eine riesen Sause zu feiern. Drei Tage und drei Nächte
sollte gefeiert werden.
Nicht nur Freude mit der Presse
Doch weiterhin galt es, Uribe, der die Putschisten nach einem Monat
zur Aufgabe bringen konnte, bzw. durch die Nachgiebigkeit des Revolutionskommandos
„El Nino“, seines Amtes zu entheben und zusammen mit seinen
amerikanischen Verbündeten aus dem Land zu jagen.
Über Rodriguez wurden von Cofoni US-Waffen gekauft und an die
ELN weitergegeben. Der Plan sah vor, dass Einheiten der ELN ein Bergdorf
stürmten und dabei – als US-Soldaten verkleidet - ein grässliches
Massaker anrichteten. Zufällig sollte man vor Ort einige tote
Angehörige der US-Spezialeinheit finden und natürlich viele
amerikanische Waffen. Zwar verlief alles nach Plan, nur die Pressezensur
verhinderte, dass die Öffentlichkeit Zeuge dieses schrecklichen
Massakers wurde. Bustamante merkte wieder, wie krank dieses Land war,
er wollte es genesen und von der Geissel Uribe befreien.
So half er, Cofonis Medienmacht weiter auszubauen, um auch wieder
Sanchez ins Rampenlicht setzen zu können.
Freunde, Enttäuschungen und Illoyalität
Doch bei allen Umsturzplänen merkte Bustamante, dass sich im
Verhältnis zu Don Diego etwas veränderte. Sie waren inzwischen
gute Partner geworden, aber „Donny“ wie Bustamante ihn
voller Achtung und freundschaftlicher Verbundenheit nannte, war nicht
mehr der Alte. Stimmte es, dass er nun enger mit der CIA im Gespräch
war? Konnte er ihm noch trauen? Bustamante war besorgt. So organisierte
er sich vorsichtshalber einen Fluchtort in Nicaragua, eine nette kleine
Hacienda am Fuße eines Berges. Nicht so schön wie in Kolumbien,
aber es sollte ja nichts für die Ewigkeit sein.
Bustamante täuschte sich nicht: Don Diego hatte ihn verraten.
Noch ehe er seine Flucht beginnen konnte, griffen die Behörden
zu. Im Gefängnis traf Bustamante einen alten Bekannten –
Rodriguez, der saß wegen des Deals mit den US-Waffen ein.
Doch einen Drogenbaron sperrt man nicht so einfach ein! Bustamante
wurde durch seine Leute und durch die Unterstützung der AUC befreit,
das Blut floss in Strömen, wie die rötlichen Schlammfluten,
die zur Regenzeit von den Bergen herabflossen.
Bustamante sann auf Rache. Ein Gespräch mit Cofoni, der inzwischen
neuer US-Botschafter in Bogota war, half. Bustamante war bereit, den
Amerikanern Don Diego ans Messer zu liefern. Dabei merkte Bustamante
auch, dass Cofoni ein geborener Geschäftsmann war, der seine
Liebe zum Geld teilte. Bustamante schlug ihm vor, dass Flieger von
AirScan Drogenpakete über die Landesgrenzen fliegen könnten.
Diese Flieger wurden von den USA nicht kontrolliert, ein Vorteil sondergleichen.
Cofoni stimmte zu, der Deal war perfekt. Den Gewinn wollte man sich
teilen. Zudem genoss Bustamante, wie abhängig Cofoni von ihm
wurde, er konnte ihn jederzeit auffliegen lassen, wenn er nur wollte.
Und auch das Verhältnis zu Generalissimo Ospina wurde enger.
Durch den Putsch immer weiter verfolgt, gejagd, gedemütigt, suchte
er Unterschlupf auf Bustamantes Anwesen im Westen des Landes. Es erfüllte
Bustamante ein wenig mit Stolz, dass er den General als seinen „Gast“
begrüßen durfte, er war gerührt.
Viva Sanchez!?
Das Kartell unterstütze nun immer fleißiger Sanchez, er
schien ein guter und vielversprechender Kandidat zu sein. Allerdings
gefiel es Bustamante nicht, dass Sanchez sich auch zunehmend an die
Fersen der USA heftete. Aber wer war noch ein geeigneter Kandidat?
Ortiz? Nein, er wollte mit Drogengeschäften plötzlich nichts
mehr zu tun haben. Garzon? Er erst recht nicht. Ein paar ernste Worte
mit Sanchez erledigten das. Er versprach, die Amerikaner aus dem Land
zu befördern, sobald er die Macht dazu hatte. Das war doch schon
mal etwas. Zudem räumte er Don Diego und Bustmante Amnestie ein.
Denunziere Deinen Nächsten!
Das Verhältnis zu Don Diego besserte sich zusehends. Gegen eine
entsprechende Entschädigung sah Bustamante über diesen Fehltritt
hinweg. Er wusste, dass Menschen Fehler machen können, die ihnen
später Leid tun würden. Er wollte kein Tyrann sein und ärgerte
sich auch schon über sich selbst, Donny verpfiffen zu haben.
Zum Glück hatte Cofoni gar kein Interesse an ihm.
Zwischenzeitlich tat sich aber an einer Front etwas, die Bustamante
bislang stark vernachlässigt hatte. Ein Personalstreit in den
Reihen der USA. Botschafter Wood, von Außenminister Powell aus
dem Amt gedrängt und durch den windigen Cofoni ersetzt, war mit
der Gesamtsituation unzufrieden. Er suchte Bustamante zu einem geheimen
Gespräch auf. Dass er seinen Kummer mit Bustamantes „Naturheilmitteln“
bekämpfen wollte, kam durchaus überraschend, viel wichtiger
war jedoch, dass Wood die Zusammenarbeit mit dem Kartell suchte, um
Powell eins auszuwischen. Schließlich holte man noch General
Ospina mit ins Boot, um einen geeigneten Plan auszuhecken. Selbst
Bustamante war etwas ratlos, er ließ Wood und Ospina mit der
Angelegenheit lieber alleine, schließlich fing es nun an, wirklich
spannend zu werden. Bustamante hatte sich um Wichtigeres zu kümmern.
Die Entscheidung steht bevor
Langsam aber sicher rückten die Wahlen näher. Sanchez’
Kandidatur schien erfolgreich zu verlaufen. Dennoch, Bustamante war
kein Freund, unliebsamer Überraschungen, deshalb sorgte er vor.
Schon zwei Monate vor dem Wahltag, ließ er Martinez, einen seiner
besten Männer, sich auf ein Attentat vorbereiten. Es war bekannt,
dass die kolumbianischen Präsidenten die Rede zur Feier ihres
Wahlsieges auf dem Marktplatz in Bogota hielten. Martinez sollte sich
in einem der gegenüberliegenden Gebäude postieren und dem
neuen Präsidenten eine Kugel in den Kopf jagen; allen, nur Sanchez
nicht!
Doch das war gar nicht nötig. Sanchez siegte, er siegte haushoch.
War Kolumbien damit gerettet? Von Uribe, dem reudigen Hund befreit?
Es schien so. Bustamante war glücklich, das Kartell hatte einen
Sieg davon getragen.
Die Zeit danach
Während Don Diego zunehmend mit sozialen Projekten seine Karthasis
betrieb, nutzte Bustamante die neuen Verhältnisse im Land zu
seinen Gunsten. Er ließ seine Memoiren schreiben, die Sie, lieber
geneigter Leser, hier auszugsweise vor sich haben. Sie wurden in den
USA und Europa ein Besteller. Das Forbes-Magazin schätzte ihn
als einen der zehn reichsten Männer der Welt ein, das Times-Magazin
kürte ihn sogar zum „Man of the Year“. Doch Bustamante
wollte auch Gutes tun: Er gründete das Institut für kolumbianische
Studien an der FU Berlin, deren Leiter er wurde, nachdem er dort zum
Ehrendoktor ernannt wurde. Sogar der Bundestag holte ihn für
mehrere Anhörungen als Experten in die Enquete-Kommission „Nachhaltige
Drogenpolitik bei Jugendlichen“.
Bustamante lebt heute mit Frau und Kindern in einer Villa an der
Côte d’Azur.
In manchen stillen Nächten denkt er noch gerne an die Zeit in
Kolumbien zurück. Dabei glaubt er, dass er nicht alles richtig
gemacht hat. Er hatte seine Macht unterschätzt, das bedrückt
ihn heute. Sein Geld, seine Beziehungen, seine Waffen – das
alles hätte man viel mehr nutzen können, um sich Uribe zu
entledigen. Er ärgert sich, dass er kaum mit der Farc verhandelt
hat, aber irgendwie war es schwer, auf einen gemeinsamen Nenner mit
ihnen zu kommen. Letztlich hätte er auch viel mehr Geld unter
die Leute bringen können, insbesondere unter die Regierungsmitglieder,
aber die Zeiten für Korruption, sie standen schlecht, und immer
mehr Beamte zeigten sich immun gegen sie.
So bleibt Bustamante die Erinnerung. Die Erinnerung an ein aufregendes
Jahr, ein Jahr, das Kolumbiens Politik und Gesellschaft umkrempelte,
für frischen Wind sorgte und das Leid der Ärmsten der Gesellschaft
lindern wird.
Voller Zuversicht und Freude schaut er heute auf sein Land und weiß,
Sanchez wird es richten - auch im Sinne des Kartells.
Wenn Bustamante besonders gut gelaunt ist, dann erinnert er sich an
ein altes Lied aus seiner Jugendzeit und zieht trällernd durch
die Straßen von St. Tropez. Eric Clapton war es, der damals
die legendären Zeilen gesungen hat:
If you wanna hang out you’ve got to take her out; cocaine.
If you wanna get down, down on the ground; cocaine.
She don’t lie, she don’t lie; cocaine.
If you got bad news, you wanna kick them blues; cocaine.
When your day is done and you wanna run; cocaine.
She don’t lie, she don’t lie; cocaine.
If your thing is gone and you wanna ride on; cocaine.
Don’t forget this fact, you can’t get it back; cocaine.
She don’t lie, she don’t lie; cocaine.
She don’t lie, she don’t lie; cocaine.
Andreas von Münchow, a.k.a Luis Hernando Gomez Bustamante, teilhabender
Gesellschafter des Valle del Norte Kartells
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