| Luis Eduardo Garzón alias “Lucho”
Hintergrund / berufl. Position / Aufgabe /
Funktion:
Bürgermeister von Bogotà
Vorsitzender des Unabhängigen Demokratischen Poles, eines Zusammenschlusses
verschiedener parlamentarischer linker Parteien
Biographisches:
Ich, Luis Eduardo Garzòn, auch gern „Lucho“ genannt,
bin am 15. Februar 1951 in Bogotà als Sohn einer Putzfrau geboren.
Ich habe in der Erdölindustrie gearbeitet und 1975 den Vorsitz
der Erdölgewerkschaft USO übernommen. 1996 haben mich die
ArbeiterInnen dann überzeugt, den Vorsitz im Gewerkschaftsdachverband
CUT zu übernehmen. Es war für mich seit meiner Kindheit
selbstverständlich, gegen die Ungerechtigkeiten in meinem Land
zu kämpfen. Der Reichtum unseres Landes, den wir alle gemeinsam
erwirtschaften, wird von einer kleinen Schicht für sich vereinnahmt,
ich aber bin der Auffassung, dass jeder seinen gerechten Anteil am
gemeinsamen Reichtum haben sollte. Leider gibt es einige, die hier
anderer Auffassung sind. So wurde ich seit dem Beginn meiner gewerkschaftlichen
Aktivitäten von einem Teil des Establishment bekämpft, sie
haben mich neun Mal ins Gefängnis verschleppt und so geriet ich
schließlich auch auf die Liste der Todesschwadronen der Rechten
und musste 1998 für vier Jahre ins Exil in die Schweiz fliehen.
2002 bin ich dann zurückgekehrt um in einer sehr schwierigen
Zeit im Amt des Präsidenten für eine bessere Zukunft Kolumbiens
zu arbeiten. Leider hat der Populismus der Rechten die Bevölkerung
getäuscht und ein Kriegstreiber konnte die Macht erlangen. Doch
es war keine Wahlniederlage, sondern die große Unterstützung,
die ich durch die Bevölkerung erfahren habe, war ein Signal an
das alte Parteiensystem, dass Politik in Kolumbien nicht länger
mehr nur ein Recht der Upperclass und ihrer alten Parteien ist. So
gingen bei den Bürgermeisterwahlen in der Hauptstadt Bogotà
am 26. Oktober 2003 46% der Menschen zur Wahl, so viel wie nie zuvor.
Die Menschen haben mir die Aufgabe zugedacht, das Los der Armen zu
verbessern und so kämpfen wir nun alle gemeinsam für eine
bessere Zukunft. Dazu haben sich mehrere Bewegungen im Pol der Unabhängigkeit
und Demokratie zusammengeschlossen. Dem Ziel eines friedlichen und
eines gerechten Kolumbiens gilt unsere Arbeit.
Interessen & Positionen bzgl. des Konflikts:
Das Interesse der neuen sozialen Bewegung, in der ich mitarbeite,
ist ein friedliches und gerechtes Kolumbien. Um diesem Ziel näher
zu kommen ist ein Ende der Kampfhandlungen unabdingbar. Deshalb ist
ein garantierter Waffenstillstand dringend zu erreichen. Dann kann
auch über einen Frieden verhandelt werden. Dieser aber kann nur
erfolgreich sein, wenn wir unser Land von Grund auf modernisieren,
Solidarität zum Grundsatz unseres Landes erklären und alle
Menschen gemeinsam an einer besseren Zukunft Kolumbiens arbeiten.
Handlungsspielraum / mögliche Strategien:
Ressourcen:
Durch meine Arbeit als ehemaliger Gewerkschafter habe ich natürlich
gute Kontakte zu diesem Netzwerk und kann so die gesamte Bevölkerung
direkt erreichen. Meine Kontakte zu ausländischen Verbündeten
gibt mir natürlich auch die Möglichkeit, international für
einen wirklichen Frieden in Kolumbien zu werben. Ich habe kaum klassische
Macht, allerdings ist die Hauptstadt zentraler Punkt für alle
Konfliktparteien.
Verbündete Akteure:
Gewerkschaft, Brasilien, Venezuela, UNO, NGO, ev. EU, Kirche
Gegnerische Akteure:
AUC, Konservative und Liberale
Relevante Foren:
Bogotà, Gewerkschaft, parlamentarische Linke, Presse. |