| Manuel Marulanda Vélez alias
„Tirofijo“
(Geburtsname: Pedro Antonio Marín)
Hintergrund / berufl. Position / Aufgabe /
Funktion:
Gründer der FARC und militärischer Führer der Gruppe
Biographisches:
• Geboren in Genoveva (Quindio, Kolumbien) 12 May, 1930, Sohn
einer Bauernfamilie
• Nach dem 9 April 1948 (während der „época
de La Violencia“) als Anhänger der Liberalen verfolgt von
den „Conservadores“
• Während der 50er Jahre: Organisiert Gruppen von „autodefensas
campesinas liberales“, um sich gegen den Vernichtungskreuzung
der Regierung der „Conservadores“ zu verteidigen (Die
„Autodefensas“ konzentrierten sich in einem Gebiet Names
„Marquetalia“ im Süden Tolimas.)
• 1953: Pedro Marín macht sich mit der marxistische-leninistischen
(revolutionären) Ideologie vertraut und nennt sich von nun an
Manuel Marulanda Vélez (nach einem kommunistischer Kämpfer).
• 1960/61: Manuel Marulanda Vélez und andere Führer
der „Autodefensas“ erklären das Gebiet Marquetalia
zur „República Independiente de Marquetalia“
Der Name Manuel Marulanda bekommt eine legendäre Dimension in
der Bevölkerung: Lieder über sein Leben werden geschrieben.
Die Erzählungen über seine Kämpfe bekommen fast mythische
Dimensionen (der unbesiegbare Held, der alleine ganze Armeen besiegt).
Mehrmals wird über den Tod des Rebellenführers spekuliert.
Einmal veröffentlicht sogar die Presse Photos seiner angeblichen
Beerdigung. Alle derartigen Berichte erweisen sich als falsch. Aktuell:
Am 30. Mai 2004 meldet der „Nuevo Herald“ aus Miami den
Tod Marulandas. Spekulationen über Alfonso Cano als möglicher
Nachfolger
• 1962–1964: Anschläge des Militärs auf Marquetalia:
Offensive der Regierung zur Vernichtung der Autodefensas. Die „autodefensas
campesinas“ formieren sich in Form von mobilen Guerillagruppen,
um die Angriffe abzuwehren. (Diese Ereignisse bilden noch heute den
Gründungsmythos der FARC)
• 1966: Die Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC)
konstituieren sich.
• „Tirofijo“ ist berühmt für seine Fähigkeiten
als Schütze und Kämpfer. Er gilt als kühler und quasi
„mathematisch“ planender Stratege.
• Marulanda spielt außerdem sehr gut Violine. Nach inoffiziellen
Informationen leidet er gegenwärtig an Prostatakrebs.
Interessen & Positionen bzgl. des Konflikts:
• Keine Verhandlungen mit Präsident Uribe
• Widerstand gegen die Regierungsoffensive Uribes
• Keine „imperialistische“ Einmischung fremder Staaten/Organisationen
in die Innenpolitik Kolumbiens. Insbesondere keine weiteren Interventionen
der US Regierung in die inneren Angelegenheiten Kolumbiens, d.h vor
allem Widerstand gegen den „Plan Colombia“ und Auslieferungsabkommen
mit den USA
• Gefangenenaustausch (vom Staat inhaftierte Guerilleros gegen
entführte Soldaten/Politiker)
• Stop der chemischen Bekämpfung des Drogenanbaus, stattdessen
manuelle Zerstörung der Pflanzen und staatliche Programme zur
Förderung alternativer Anbaumöglichkeiten für die Landbevölkerung
• Auflösung der paramilitärischen Gruppen (Harte Kritik
an gegenwärtigen Verhandlungen zwischen Staat und AUC, keine
Amnestie/Straferlaß für paramilitärische Kriminelle)
Einige während der Friedenverhandlungen mit der Regierung Pastrana
formulierte Ziele
• Stop der Privatisierung von Staatsbetrieben, Staat muß
Eigentümer und Verwalter der wichtigsten strategischen Sektoren
(Energie, Kommunikation, öffentliche Dienstleistungen etc.) bleiben/sein.
• Suche nach politischen Lösungen der kolumbianischen Krise
• Agrarreform (gerechte Landverteilung, vs. Großgrundbesitz)
• Staatliche Investitionen in nationale Industrie, protektionistische
Wirtschaftspolitik
• 50% des Staatshaushalts sollen in den sozialen Sektor investiert
werden, 10% in Wissenschaft und Forschung
• Natürliche Resourcen des Landes sollen vom Staat ausgebeutet
werden und die Erlöse diesem finanziell zu Gute kommen (Öl
etc.)
Handlungsspielraum / mögliche Strategien:
• Militärisch: Organisation der FARC in kleinen Einheiten.
Strategie: schnelles Zuschlagen und Zurückziehen.
• Durch Drohungen und Entführungen: Ausweitung des Einflußgebiets
der FARC, Zerstörung/Übernahme staatlicher Kontrolle
• Organisation der FARC in territorialen Blöcken: West,
Ost, Nordwest, Mittel Magdelena, Süd, Zentral, Nord: komplexes
hierarchisches System mit zahlreichen Untergliederungsebenen (frentes,
colonias, companias etc.): Strategischer Vorteil in Bezug auf landesweite
Präsenz
• „Ökonomische“ Strategie seit der Offensive
der Regierung Uribe: Mittel und Ressourcen sparen, möglichst
Vermeidung von direkten Konfrontationen mit den Regierungstruppen
Ressourcen:
• Finanziell: Entführung, Erpressung, Haupteinnahmequelle
Drogenhandel
• Die Einflußgebiete der FARC – ohne Präsenz
des Staates – ermöglichen auch die Sicherung und Organisation
der Versorgung mit militärischer Ausrüstung aus dem Ausland
(Waffen etc.), Zentralamerika (und Venezuela) gelten als wichtigste
Quellen für diese Waffen
• Gute Infrastruktur: nicht nur militärisch, sondern auch
Telekommunikation, Informationsmedien (eigene Zeitschrift „Resistencia“),
Internetpräsenz etc.
Verbündete AkteurInnen:
• Sympathisanten in der „linken Szene“ Europas
• Kommunistische Partei Kolumbiens (Die FARC verstanden sich
lange Zeit als militärischer Arm der Partei, aber beide haben
sich voneinander distanziert wegen ihren verschiedenen politischen
Linien. Trotzdem versteht sich Marulanda als Kommunist.)
Gegnerische AkteurInnen:
• Militär
• Regierung Uribes (und seine Politik der „harten Hand“)
• Finanzielle und politische Oligarchie des Landes
• USA und ihre imperialistische Politik
• Ausländische „imperialistische“ Interessen
in Kolumbien, d.h. v.a. ausländische Konzerne, die den Reichtum
des Landes ausbeuten
Relevante Foren:
• „Movimiento Bolivariano por la nueva Colombia“
(populäre Bewegung, gegründet von den FARC: klandestine
Platform für Sympathisanten der FARC)
• Katholische Kirche: Dialoge über humanitären Austausch
(Gefangene) mit Kirchenvertretern |