projektkrise 2004geschichte

Thaksin Shinawatra



Biographisches:

Geboren am 26.7.1949
Montford College (private Elite-Schule)
1973 Abschluss der Polizeiakademie
1975 Master (Criminal Justice) an der Eastern Kentucky University, Richmond, USA
1978 Doktor an der Sam Houston State University, Huntsville, USA
1987 Gründung der Shinawatra Computer and Communications Group
1990 Gründung von Shinawatra Satellite
1992 Auszeichnung als „Businessman of the Year“ durch das ASEAN-Institut
1994 Außenminister (drei Monate lang)
1995 Parteivorsitz der Palang Dharma-Partei
1995-97 Stellvertretener Ministerpräsident (mit Unterbrechungen)
1998 Gründung der „Thai Rak Thai“-Partei (TRT) „Thais lieben Thais“, Parteivorsitz, Mitglied im Parlament
Februar 2001 Thaksin wird 23. Premierminister Thailands
Februar 2005 Beginn der zweiten Amtsperiode (TRT mit Abstand stärkste Partei)
Seit den vorgezogenen Neuwahlen im April 2005 und deren Ungültigkeit fungiert Thaksin als Interimsministerpräsident bis zu den neu angesetzten Neuwahlen im Oktober 2006
(Februar 2006: Proteste von der Opposition organisiert, vorgezogene Neuwahlen 2.4.2006: Unregelmäßigkeiten und Boykott der Opposition, am 8.5.2006 vom Obersten Gerichtshof als verfassungswidrig erklärt, Neuwahlen für 15.10.2006 geplant – Folge: Machterhalt gefährdet, Wiederantritt zur Wahl dennoch momentan wahrscheinlich)

Hintergrund / berufl. Position / Aufgabe / Funktion:

Premierminister Thailands: Regierungschef vom Repräsentantenhaus gewählt und vom König ernannt (konstitutionelle Monarchie)

Wirtschaftspolitik: marktwirtschaftlich-liberal orientiertes Wirtschaftssystem, starke Rolle des Außenhandels, Stimulierung der nationalen Wirtschaft durch gesteigerte Ausgaben (deficit spending), Strukturwandel von der traditionell agrarisch geprägten zur dienstleistungs- und technologieorientierten Wirtschaft angestrebt/vorantreiben;
Erfahrungen Thaksins als Geschäftsmann als Basis, Agrarsektor, Steuer- und Finanzwesen (Banksystem, Investitionen)
Seit der Wirtschaftskrise 1997 Druck der Weltbank, dennoch Fortsetzung der Wirtschaftspolitik, d.h. „Nationalisierung“ von Unternehmen
Aufgrund dieser Politik ist Thaksin bei den Mittelschichten und reichen Oberschicht unbeliebt und wird v.a. von den ärmeren Schichten der Bevölkerung auf dem Land gewählt.
Sicherheitspolitik: nationales Verteidigungssystem (nationale Sicherheit), Aufstockung der Armee (neben der zentralen Aufgabe der nationalen Verteidigung für Einsatz Peacekeeping Einsätze der UN, außerdem Unterstützung bei Bekämpfung des Drogenhandels, Rolle bei der Flüchtlingspolitik: striktes Vorgehen, großer Anteil der Flüchtlinge aus Myanmar/Burma)
Außenpolitik: „proaktive ökonomische Diplomatie“, nationale Rechte und Interessen, Einbindung in die Vereinten Nationen, Fokus auf regionalen Beziehungen (Nachbarstaaten, ASEAN, Rolle Chinas)
Sozialpolitik: Reform des öffentlichen Gesundheitssystem, Familienpolitik, Bildungspolitik („knowledge-based society“ als Basis für „knowledge-based economy“)
Offiziell genannte Problemfelder: Verbesserung der Lage kleiner Unternehmen vor allem im Agrarsektor, Stimulierung heimischer Wirtschaft (Mobilisierung von Ressourcen und Investitionen), Gesundheitssystem, Drogenproblematik (harter Kurs von weiten Teilen der Bevölkerung begrüßt), Korruption
Interessen & Positionen bzgl. des Konflikts (WICHTIGST!):
Im Zentrum der thailändischen Außenpolitik stehen die Nachbarländer und Beziehungen zur ASEAN. Außerdem profiliert sich Thailand und insbesondere Premierminister Thaksin spürbar als prägende Kraft in Südostasien. Erklärtes Ziel ist die stärkere Entwicklung Asiens aus eigener Kraft durch intensivere regionale Kooperation.

Ambivalentes Verhältnis zwischen Thailand und Myanmar/Burma:

Pragmatischer Ansatz der Regierung Thaksin, der darauf abzielt, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen auszubauen sowie Friedensprozess und Demokratisierung im Nachbarland voranzutreiben, und dadurch schließlich die für Thailand drängenden Probleme zu lösen.
In unmittelbarem politischen Dialog und Spitzengesprächen versucht die thailändische Regierung, mit der Regierung Myanmars konkrete Lösungen etwa zu Grenzkonflikten oder zur Drogenproblematik zu finden und im Rahmen eines Konzeptes "Wandel durch Annäherung" Myanmar politisch und wirtschaftlich zu integrieren. Erste positive Ergebnisse sind aus thailändischer Sicht der Erhalt des Friedens trotz vereinzelter militärischer Grenzzwischenfälle, die politische Integration Myanmars in ASEAN oder auch der Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu Thailand.
Handlungsspielraum / mögliche Strategien:
Rolle der regionalen Zusammenarbeit wichtig (wirtschaftliche Interessen):
ASEAN, APEC, AFTA
Eventuell unverbindlicher Dialog über Sicherheitsfragen:
ARF (ASEAN Regional Forum)
Keine direkte Einmischung in innenpolitische Angelegenheiten des Nachbarn (Souveränitätsprinzip)

Ressourcen:

Thailändisches Militär (auch Einbindung in Peacekeeping UN-Einsätze)
Gute Wirtschaftsdaten Thailands (im Vergleich der Länder der Region):
BIP Wachstum 2005 bei 4,5% (Vorjahr 6,2%)
Verlangsamung des Wachstums durch den hohen Ölpreis und die Auswirkungen des Tsunami auf den Tourismus
BIP 2002 bei 107,2 Mrd. Euro / pro Kopf 1.700 Euro
Verbündete Akteure:
Singapur, Malaysia, Philippinen: zusammen mit Thailand und Indonesien Gründungsstaaten von ASEAN (Fokus auf wirtschaftlicher Kooperation)
China: Handelsvertrag mit ASEAN, 14% der thailändischen Bevölkerung Chinesen
Indien: Dialog
EU: Dialog
USA: Dialog, Zusammenarbeit beim „Kampf gegen den Terror“
UN: Verwirklichung der UN-Charta als Ziel der Außenpolitik

Buddhismus in Thailand:
quasi Staatsreligion, 94% der Bevölkerung bekennen sich zum Buddhismus

Gegnerische Akteure:

Regierungskritiker
Separatistengruppen
Drogenmafia

Foren:
ASEAN, ASEAN Plus Three (China, Japan, Südkorea), ARF (ASEAN Regional Forum)