| Javier Solana
Biographisches
Geboren 14. Juli 1942 in Madrid, wegen Problemen mit dem Franco-Regime
im Ausland studiert und als Wissenschaftler praktiziert. Später
dann als Professor für Festkörperphysik an der Universität
Madrid. Nach Francos Tod für die Sozialisten Abgeordneter in
der Verfassungsgebenden Versammlung. Zwischen 1982 und 1995 bekleidet
Solana verschiedene Ministerämter, zuletzt das des spanischen
Außenministers. 1995 wird Solana überraschend zum NATO-Generalsekretär
ernannt, obwohl er noch in den 80er Jahren lautstarker Gegner der
NATO war, ein Pamphlet „50 Gründe gegen die NATO“
verfasst und Sympathien für Fidel Castro bekannt hatte. Als Generalsekretär
befiehlt er am 24. Mai 1999 die NATO-Luftangriffe auf Serbien und
verteidigt die völkerrechtswidrigen Bombardements später
in der Öffentlichkeit. Zum Dank für die gelungene Befriedung
des Balkans beruft die EU Solana im November 1999 zum Hohen Vertreter
für ihre die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik,
ein Amt, was Solana noch heute bekleidet.
Kritisiert wird Solana unter anderem von Friedensaktivsten, die ihm
eine „Militarisierung“ der europäischen Außenpolitik
vorwerfen und seine wenig pazifistische Rolle im Kosovo-Konflikt hervorheben.
Andere sehen das anders: Am 27.5.2007 wurde Javier Solana der Karlspreis
verliehen, die Stadt Aachen würdigt damit sein „engagiertes
Wirken für Europa und den Frieden in der Welt“. In seiner
Festansprache bezeichnete der luxemburgische Ministerpräsident
und letztjährige Karlspreisträger Jean-Claude Junker Solana
als „aktiven Weltverbesserer“. Er sei „ein Architekt
für Frieden, Stabilität und Demokratie“ und habe die
Rolle Europas in der Welt gestärkt.
Hintergrund / Funktion:
Der EU-Außenbeauftragte (Hoher Repräsentant für die
Außen- und Sicherheitspolitik) vertritt die Interessen der EU
weltweit, insbesondere natürlich in Somalia.
Solanas Tätigkeit besteht aus permanentem Verhandeln und Sondieren
zwischen den EU-Gremien, den EU Staaten und den Staaten der internationalen
Gemeinschaft. Die WELT beschreibt Solana daher als „Europas
eiligen Netzeknüpfer“.
Interessen & Positionen:
Die EU ist der Auffassung, dass der Zustand der Staatenlosigkeit
einen beträchtlichen Nachteil für Somalia und die Somalis
darstellt. Insbesondere die prekäre Sicherheitslage im Lande,
aber auch das erheblich Gefahrenpotential für die Region bzw.
für die gesamte Welt sind zutiefst besorgniserregend. Das Fehlen
von funktionstüchtigen und vertrauenswürdigen staatlichen
Institutionen erschwert zudem die Versorgung mit Hilfsgütern
und die Entwicklungszusammenarbeit, was die Gefahr einer humanitären
Katastrophe erheblich steigen lässt.
Handlungsspielraum / mögliche Strategien:
Die EU unterstützt die Somalis in ihren Bemühungen, neue
staatliche Strukturen zu schaffen bzw. die vorhandenen zu stärken
und auszubauen. Ziel der Zusammenarbeit mit der international anerkannten
Übergangsregierung (TFG) ist die Entstehung eines funktionierenden
demokratischen Staates, der in der Lage sein sollte, effektive Kontrolle
über sein Territorium auszuüben und so europäischen
zivilgesellschaftlichen Akteuren ein sicheres Handlungsfeld für
humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit garantieren kann.
Hierfür ist die Einbeziehung bisher marginalisierter Gruppen
in den politischen Prozess unbedingt erforderlich. Eine erfolgreiche
Versöhnungskonferenz ist daher Bedingung für eine ausgedehnte
Unterstützung des TFG seitens der EU.
Ressourcen:
Finanziell: Die EU ist eine der größten, wenn nicht die
größte Einkommensquelle für alle gegenwärtigen
und zukünftigen staatlichen Gebilde auf somalischem Boden. Die
EU unterstützt Somalia 2007 mit 25 Mio. € aus dem Entwicklungshilfefond.
Die Friedenstruppen der AU wird mit 15 Mio. € aus der African
Peace Facility unterstützt. 70 Mio. € sind für das
Somalia Recovery Program beschlossen, aber größtenteils
noch nicht zum Einsatz gekommen. Das TFG finanziert sich zur Hälfte
aus EU Mitteln. Weitere Gelder sind vorgemerkt. Weiterhin werden Somalia,
Kenia, Äthiopien, Eritrea, Djibuti, Uganda, Ghana, Ägypten
und Jemen durch zahlreiche Mitgliedsstaaten der EU direkt mit Entwicklungs-
– und/oder Militärhilfe (z.B. für Äthiopien)
unterstützt. Die Mitgliedsstaaten und die EU selbst sind wichtige
Geldgeber für AU und UN.
Kontakte: Die EU verfügt über ein Büros in Nairobi,
Hargeysa und Addis Abeba. Javier Solana selbst verfügt natürlich
über ausgezeichnete persönliche Kontakte zu allen Staatsmännern-
und Frauen dieser Welt, allerdings weniger zu somalischen Buisnessmen,
Clanältesten oder gar Islamisten.
Juristisch/Ideell: Die EU kann Staaten und (Übergangs-)Regierungen
anerkennen - oder auch nicht. Anerkennung kann auch zurückgezogen,
Legitimität abgesprochen werden.
Verbündete Akteure:
TFG, z.T. som. NGOs, IGAD-Staaten, Ägypten, Jemen, USA, GB, UN
Gegnerische Akteure:
keine
Foren:
Somalia Kontaktgruppe, NATO, Friedenskonferenzen, sonstige Bi- oder
Multilaterale Gesprächsrunden. |