projektkrise 2004geschichte

Benita Ferrero-Waldner

 

Biographisches

Geboren 1948 in Salzburg, habe ich Rechtswissenschaften studiert. 1970 habe ich zum Dr. iuris promoviert. Nachdem meine erste Ehe mit Wofgang Sterr 1983 geschieden wurde, habe ich 1993 den Spanier Francisco Ferrero-Campos geheiratet. Nach einer beruflichen Laufbahn in der Privatwirtschaft trat ich 1984 in den diplomatischen Dienst Österreichs ein. Stationen meiner Laufbahn waren u.a. Madrid, Dakar und Paris. Unter UN-Generalsekretär Boutros-Ghali hatte ich 1994 das Amt der Ersten Protokollchefin der Vereinten Nationen in New York inne. 1995 bis 2000 war ich Staatssekretärin im Außenministerium, ab 2000 Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten. Bei der Bundespräsidentenwahl im letzten Jahr (2004) war ich Spitzenkandidatin meiner Partei, der ÖVP (Konservative). Meine ansonsten lupenreine politische Karriere bekam mit meiner –wohlbemerkt knappen- Niederlage gegen den Sozialdemokraten Heinz Fischer einen ersten schmerzlichen Knick, auch weil ich mir der Unterstützung der FPÖ unter Jörg Haider schon sicher war. Dennoch, aufgeben war nie meine Sache, und so wechselte ich ein halbes Jahr nach der Wahl schließlich als Kommissarin für Außenbeziehungen und europäische Nachbarschaftspolitik in die EU Kommission. Bekannt bin ich durchaus auch für mein hartes Durchgreifen in der Sache. Noch aus meiner Zeit als Außenministerin wird vielfach eine Geschichte kolportiert, nach der ich während der Proteste gegen den G8-Gipfel im Juli 2001 in Genua angeblich belastendes Beweismaterial gegenüber einer protestierenden Wiener Künstlergruppe illegaler Weise an die italienischen Behörden übergeben hätte- selbstverständlich entbehren diese Berichte jeglicher Grundlage. Ach ja- mein Spitzname ist übrigens „lächelnder Löwe“.

Hintergrund / berufl. Position / Aufgabe / Funktion

Benita Ferrero- Waldner ist EU-Kommissarin für Außenbeziehungen und europäische Nachbarschaftspolitik. Mit der Verantwortung für „EuropaAid“ fällt unter anderem die europäische Entwicklungszusammenarbeit in meinen Zuständigkeitsbereich innerhalb der europäischen Kommission, sowie auch das gesamte Feld der Nachbarschaftspolitik, also etwa die Euro-Mediterane Partnerschaft (EuroMed). Sehr eng arbeite ich stets auch mit dem „Hohen Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik“, Herrn Javier Solana, zusammen. Dies zeigt sich u.a. auch daran, dass es nach der neuen EU-Verfassung der Plan ist, unsere beiden Ämter in der Position des „europäischen Außenministers“ zusammenzufassen.
In meiner täglichen Arbeit aus Außenkommissarin orientiere ich mich schließlich an dem Konzept der „menschlichen Sicherheit“. 2002/2003 war ich z.B. auch Vorsitzende des „Human Security Networks“.

Interessen & Positionen

Europa’s Position im Sudankonflikt ergibt sich vor allem aus den gemeinsamen europäischen Werten (core values), wie Demokratie, Respekt vor den universellen Menschenrechten sowie Rechtsstaatlichkeit. Meine Priorität ist es immer, einen Ring von befreundeten Staaten um die Grenzen unserer erweiterten Union zu schaffen. Alle Elemente unserer gemeinsamen Außenpolitik (Entwicklungszusammenarbeit, Handel, Wirtschaftsübereinkommen, Diplomatie etc.) sind auf die Förderung von Menschenrechten und „good governance“, sowie dem Kampf gegen die Armut und die Förderung von nachhaltiger Entwicklung ausgerichtet.

Ressourcen

Finanziell: Die EU insgesamt ist weltweit der größte Geber von Wirtschafts- und Entwicklungshilfe überhaupt. Um das mal in Zahlen zu fassen: Wir sprechen hier von 30 Milliarden Euro (!). Dabei kommen jährlich 3-4 Milliarden direkt aus den mir unterstehenden Programmen, wie etwa EuropeAid. Nach Abschluss des CPA hat die EU ein Strategiepapier für den Sudan verabschiedet, und die Entwicklungszusammenarbeit wiederaufgenommen. Die Gelder fließen zu gleichen Teilen in den Nord- und Südsudan. Weiterhin engagiert sich die EU finanziell im Sudan im großen Stil v.a. mit humanitärer Hilfe, aber auch bei der Umsetzung des Friedensabkommens (der Aufbau und die Arbeit zahlreicher Gremien, deren Schaffung im CPA vorgesehen sind, werden durch die EU finanziert). Seit Beginn der Krise in Darfur hat die EU über 213 Millionen Euro für humanitäre Hilfe und stabilisierende Zwecke ausgegeben.
Schließlich hat der Sudan im Ausland einen Schuldenstand von 16,1 Milliarden (Economist Intelligence Unit 2003 estimates). Die im April 2001 vom IWF vorgeschlagene Umschuldung ist an die Umsetzung des CPAs geknüpft.
Finanziell führt an der EU als Akteur kein Weg vorbei. Aber das wisst Ihr ja fast noch besser als ich....

Quellen:
http://europa.eu.int/comm/external_relations/news/ferrero/2004/poster_021204.htm,
http://europa.eu.int/comm/external_relations/news/ferrero/2005/sp05_281.htm, http://europa.eu.int/comm/development/body/country/country_home_en.cfm?cid=sd&lng=en&status=new


Moralisch: Eine wesentliche Ressource der EU- Außenpolitik ist unsere moralische Legitimität. Überall in der Welt ist der EU für Integrität und eine Tugendhaftigkeit bekannt. Wir sind die Guten.

Militärisch: Das heißt aber noch lange nicht, dass wir nicht hart durchgreifen, wenn wir denken, dass es erforderlich ist. 80.000 europäische Soldaten sichern heute weltweit Frieden und Stabilität. Die EU setzt sich für eine AU-Mission in Darfur ein, und wird diese personell, materiell, logistisch, politisch und finanziell unterstützen.

Diplomatisch: Durch den Status des Sudan als ehemalige Kolonie Großbritanniens besteht eine gewisse diplomatische Tradition und vereinzelt auch noch direkte Kontakte, welche die EU nutzen kann.

Verbündete Akteure

UN (Jan Pronk), Presse, John Danforth (USA), Condoleeza Rice (USA), Hosni Mubarak (Ägyten), Olesegun Obasanjo (AU), Presse

Gegnerische Akteure

Janjaweed (Musa Hilal) und alle anderen Menschenrechtsverletzer