Muammar
al-Gaddafi
Biographisches
Ich wurde 1942 in der Stadt Sirte, einer Hafenstadt
an der großen Syrte geboren. Mein Leben dort war nicht leicht-
ich musste in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen. Schuld
an alledem war das Königshaus unter König Idris I. Schon
früh wurde mir bewusst, dass es mit Lybien so nicht weitergehen
kann. Nachdem ich die Koranschule in meiner Heimatstadt abgeschlossen
hatte, wollte ich meine Ausbildung in der Sekundarstufe fortsetzen.
Doch weil ich ab und zu geneigt war, meine Meinung kundzutun, musste
ich jene Schule bei Zeiten wieder verlassen und machte meinen Abschluss
in Tripolis. Nicht nur deshalb sah ich veranlasst, mit der Gründung
der "Revolutionären Zelle" aktiv gegen das Regime des
Königs vorzugehen. Dabei entdeckte ich die unendlichen Möglichkeiten,
die das Militär einem zu bieten hat: 1963 wurde ich als Offiziersanwärter
an der Militärschule in Benghazi angenommen, wo ich mich schnell
etablierte. Kurze Zeit darauf gründete ich aufgrund meiner- naja,
nennen wir es ablehnenden- Haltung gegenüber dem König und
den wuchernden westlichen Stützpunkten in diesem Land den „Bund
der Freien Offiziere“. Gleichzeitig vertiefte ich meine militärische
Laufbahn in Großbritannien, was mir sehr lehrreich war…
Als ich wieder nach Libyen zurückkehrte, wurde ich prompt zum
Hauptmann befördert. Endlich war es so weit! Ich nutzte die Chance
und tat das, was schon vor langer Zeit hätte geschehen sollen:
Ich entfernte den König von seinem Thron. Endlich konnten wir,
die wir die wahren Interessen unseres schönen Landes vertraten,
die Geschicke leiten und das Land zu einem sozialistisch- islamgeprägten
System umzuformen.
Anfangs galt ich dabei im Westen noch als unbestechlich und seriös.
Doch aus mir unerklärlichen Gründen änderte sich dies
sobald ich begann, Bewegungen im Ausland zu unterstützen, die
ähnliche Ziele wie wir verfolgten. Unglaublich! Nach nur kurzer
Zeit hatte die USA mich als Terroristen abgestempelt. Obwohl ich schon
1979 alle meine politischen Ämter freiwillig abgegeben hatte,
beschoss der Reagan, dieses As, mein geliebtes Land 1986 mit Bomben,
wobei meine geliebte Tochter Hannah ums Leben kam und zwei meiner
Söhne schwer verletzt wurden.
Die Beziehungen zwischen mir und dem internationalen System verschärften
sich noch weiter, als man mir den illegalen Bau von Chemiefabriken
zur Herstellung chemischer Kampfstoffe nachsagte. An dieser Stelle
war das Maß voll.
Der Rest ist relativ kurz erzählt- darüber braucht sich
niemand mehr Gedanken zu machen. Im Jahr 1989 stürzte bekanntes
Flugzeug über Lokerbie ab. Und wer war mal wieder Schuld?? Die
UN und vor allem die USA verhängten verschärfte Wirtschaftssanktionen
über mein Land, so dass wir wirtschaftlich kaum handlungsfähig
waren. Um das an dieser Stelle mal klarzustellen: Ich hatte nie etwas
mit dem internationalen Terrorismus am Hut, davon habe ich mich seit
1990 klar distanziert! Und die zwei Menschlein, die die zugegebener
Maßen etwas übertriebene Aktion mit dem Flugzeug verzapft
hatten, habe ich auch ausgeliefert.
Seitdem verstehen wir uns wieder etwas besser, der Westen und ich.
Die UN hat ihre Sanktionen weitestgehend aufgehoben und ich hatte
sogar schon Besuch von Blair und Schröder, die mir beide sehr
sympathisch waren.
Letztlich müssen es doch alle einsehen: Ich bin gar nicht so
schlecht, wie es immer dargestellt wird. Heute bemühe ich mich
sehr um das Zusammenwachsen der arabischen Staaten sowie um eine Stärkung
Afrikas im internationalen System, nicht zuletzt durch die Gründung
der AU im Jahre 2002.
Nur einer wollte das par tout nicht begreifen- die USA. Es ist ja
nun wirklich offensichtlich, dass ich nichts mit all dem Terrorquatsch
am Hut habe und trotzdem wurde ich auf eine Achse gesetzt mit all
denen, die es wirklich sind, nämlich die „Achse des Bösen“.
Wie das weitergehen soll, scheint mir noch nicht so eindeutig zu sein.
Hintergrund / berufl. Position
/ Aufgabe / Funktion
- militärische Laufbahn
- ich hänge stark einer Ideologie an, die versucht, den Sozialismus
mit dem Islam zu verbinden, naja, es ist mir ja ein bisschen unangenehm,
aber ich bin sozusagen der Begründer dieser Bewegung; das alles
habe ich 1976 im „Grünen Buch“ niedergeschrieben…
- meine jetzige Position: Obwohl ich schon 1979 von allen meinen politischen
Ämtern zurückgetreten bin, habe ich meinen beherrschenden
Einfluss auf sämtliche Staatsgeschäfte noch lange nicht
verloren. Ich trage offiziell den Titel "Amt" des Revolutionsführer
Interessen & Positionen
- in erster Linie Verhandlungsrolle zur Lösung
der Krise in Darfur, friedliche Lösung des Konflikts/ Entwaffnung
der Rebellen
- mir liegt die Integration und Stärke Afrikas sehr am Herzen/
ich war eine der treibenden Kräfte in der Begründung der
AU
- außerdem fasziniert mich die Idee vom einheitlichen Arabien…
Ressourcen
- also, ich sitze sozusagen direkt am Hebel: Mir
steht ein ganzes riesiges Land zur Verfügung!
- darin vor allem: Erdöl, mit dem ich zu einem bescheidenen Reichtum
gekommen bin (wir sind der zweitgrößte Erdölexporteur
Afrikas!!)
- außerdem: militärische Kapazitäten
- Einfluss in regionalen und internationalen Wirtschaftsorganisationen
- die AU als Organisation/ neuerdings auch wieder die UN
Verbündete Akteure
- Sudan (Vertreter der Regierung)
- Tschad (erst seit kurzem; zuvor hatten wir kleine Grenzstreitigkeiten)
- Ägypten und Nigeria,
- Eritrea (vor allem in Bezug auf Öl)
- die “Rebellen” betrachten mich als neutralen Player
(JEM und SLM haben auch schon des Öfteren ihr Interesse an kleinen
Unterstützungen in Form von Finanzspritzen bekündet/ ich
meinerseits habe schon wiederholt meine Abneigung gegenüber der
von ihnen ausgehenden Gewalt kundgetan: „primitive and senseless“)
- Marokko und Mauretanien (wirtschaftliche Zusammenarbeit/ UMA)
- meine Verbindungen zum Westen entspannen sich zunehmend… vor
allem auf wirtschaftlicher Ebene verstehen wir uns schon wieder prächtig!
- ich gehe mal davon aus, dass ich eine Vielzahl von „Freunden“
in der Region habe, wie gesagt, so schlecht bin ich gar nicht…
Gegnerische Akteure
- obwohl im letzten Jahr das erste Mal seit 24
Jahren direkte Kontakte zwischen Tripolis und
Washington geschaltet wurden, kann ich den USA den Platz auf der „Achse
des Bösen“ noch nicht so richtig verzeihen
- ich sehe die Figur Garang kritisch: Unruhestifter! Nutzt die Krise
in Darfur aus, um die Stellung der Regierung in den Friedensverhandlungen
zu schwächen…
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