projektkrise 2004geschichte

Muammar al-Gaddafi

 

Biographisches

Ich wurde 1942 in der Stadt Sirte, einer Hafenstadt an der großen Syrte geboren. Mein Leben dort war nicht leicht- ich musste in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen. Schuld an alledem war das Königshaus unter König Idris I. Schon früh wurde mir bewusst, dass es mit Lybien so nicht weitergehen kann. Nachdem ich die Koranschule in meiner Heimatstadt abgeschlossen hatte, wollte ich meine Ausbildung in der Sekundarstufe fortsetzen. Doch weil ich ab und zu geneigt war, meine Meinung kundzutun, musste ich jene Schule bei Zeiten wieder verlassen und machte meinen Abschluss in Tripolis. Nicht nur deshalb sah ich veranlasst, mit der Gründung der "Revolutionären Zelle" aktiv gegen das Regime des Königs vorzugehen. Dabei entdeckte ich die unendlichen Möglichkeiten, die das Militär einem zu bieten hat: 1963 wurde ich als Offiziersanwärter an der Militärschule in Benghazi angenommen, wo ich mich schnell etablierte. Kurze Zeit darauf gründete ich aufgrund meiner- naja, nennen wir es ablehnenden- Haltung gegenüber dem König und den wuchernden westlichen Stützpunkten in diesem Land den „Bund der Freien Offiziere“. Gleichzeitig vertiefte ich meine militärische Laufbahn in Großbritannien, was mir sehr lehrreich war…
Als ich wieder nach Libyen zurückkehrte, wurde ich prompt zum Hauptmann befördert. Endlich war es so weit! Ich nutzte die Chance und tat das, was schon vor langer Zeit hätte geschehen sollen: Ich entfernte den König von seinem Thron. Endlich konnten wir, die wir die wahren Interessen unseres schönen Landes vertraten, die Geschicke leiten und das Land zu einem sozialistisch- islamgeprägten System umzuformen.
Anfangs galt ich dabei im Westen noch als unbestechlich und seriös. Doch aus mir unerklärlichen Gründen änderte sich dies sobald ich begann, Bewegungen im Ausland zu unterstützen, die ähnliche Ziele wie wir verfolgten. Unglaublich! Nach nur kurzer Zeit hatte die USA mich als Terroristen abgestempelt. Obwohl ich schon 1979 alle meine politischen Ämter freiwillig abgegeben hatte, beschoss der Reagan, dieses As, mein geliebtes Land 1986 mit Bomben, wobei meine geliebte Tochter Hannah ums Leben kam und zwei meiner Söhne schwer verletzt wurden.
Die Beziehungen zwischen mir und dem internationalen System verschärften sich noch weiter, als man mir den illegalen Bau von Chemiefabriken zur Herstellung chemischer Kampfstoffe nachsagte. An dieser Stelle war das Maß voll.
Der Rest ist relativ kurz erzählt- darüber braucht sich niemand mehr Gedanken zu machen. Im Jahr 1989 stürzte bekanntes Flugzeug über Lokerbie ab. Und wer war mal wieder Schuld?? Die UN und vor allem die USA verhängten verschärfte Wirtschaftssanktionen über mein Land, so dass wir wirtschaftlich kaum handlungsfähig waren. Um das an dieser Stelle mal klarzustellen: Ich hatte nie etwas mit dem internationalen Terrorismus am Hut, davon habe ich mich seit 1990 klar distanziert! Und die zwei Menschlein, die die zugegebener Maßen etwas übertriebene Aktion mit dem Flugzeug verzapft hatten, habe ich auch ausgeliefert.
Seitdem verstehen wir uns wieder etwas besser, der Westen und ich. Die UN hat ihre Sanktionen weitestgehend aufgehoben und ich hatte sogar schon Besuch von Blair und Schröder, die mir beide sehr sympathisch waren.
Letztlich müssen es doch alle einsehen: Ich bin gar nicht so schlecht, wie es immer dargestellt wird. Heute bemühe ich mich sehr um das Zusammenwachsen der arabischen Staaten sowie um eine Stärkung Afrikas im internationalen System, nicht zuletzt durch die Gründung der AU im Jahre 2002.
Nur einer wollte das par tout nicht begreifen- die USA. Es ist ja nun wirklich offensichtlich, dass ich nichts mit all dem Terrorquatsch am Hut habe und trotzdem wurde ich auf eine Achse gesetzt mit all denen, die es wirklich sind, nämlich die „Achse des Bösen“. Wie das weitergehen soll, scheint mir noch nicht so eindeutig zu sein.

Hintergrund / berufl. Position / Aufgabe / Funktion

- militärische Laufbahn
- ich hänge stark einer Ideologie an, die versucht, den Sozialismus mit dem Islam zu verbinden, naja, es ist mir ja ein bisschen unangenehm, aber ich bin sozusagen der Begründer dieser Bewegung; das alles habe ich 1976 im „Grünen Buch“ niedergeschrieben…
- meine jetzige Position: Obwohl ich schon 1979 von allen meinen politischen Ämtern zurückgetreten bin, habe ich meinen beherrschenden Einfluss auf sämtliche Staatsgeschäfte noch lange nicht verloren. Ich trage offiziell den Titel "Amt" des Revolutionsführer

Interessen & Positionen

- in erster Linie Verhandlungsrolle zur Lösung der Krise in Darfur, friedliche Lösung des Konflikts/ Entwaffnung der Rebellen
- mir liegt die Integration und Stärke Afrikas sehr am Herzen/ ich war eine der treibenden Kräfte in der Begründung der AU
- außerdem fasziniert mich die Idee vom einheitlichen Arabien…

Ressourcen

- also, ich sitze sozusagen direkt am Hebel: Mir steht ein ganzes riesiges Land zur Verfügung!
- darin vor allem: Erdöl, mit dem ich zu einem bescheidenen Reichtum gekommen bin (wir sind der zweitgrößte Erdölexporteur Afrikas!!)
- außerdem: militärische Kapazitäten
- Einfluss in regionalen und internationalen Wirtschaftsorganisationen
- die AU als Organisation/ neuerdings auch wieder die UN

Verbündete Akteure

- Sudan (Vertreter der Regierung)
- Tschad (erst seit kurzem; zuvor hatten wir kleine Grenzstreitigkeiten)
- Ägypten und Nigeria,
- Eritrea (vor allem in Bezug auf Öl)
- die “Rebellen” betrachten mich als neutralen Player (JEM und SLM haben auch schon des Öfteren ihr Interesse an kleinen Unterstützungen in Form von Finanzspritzen bekündet/ ich meinerseits habe schon wiederholt meine Abneigung gegenüber der von ihnen ausgehenden Gewalt kundgetan: „primitive and senseless“)
- Marokko und Mauretanien (wirtschaftliche Zusammenarbeit/ UMA)
- meine Verbindungen zum Westen entspannen sich zunehmend… vor allem auf wirtschaftlicher Ebene verstehen wir uns schon wieder prächtig!
- ich gehe mal davon aus, dass ich eine Vielzahl von „Freunden“ in der Region habe, wie gesagt, so schlecht bin ich gar nicht…

Gegnerische Akteure

- obwohl im letzten Jahr das erste Mal seit 24 Jahren direkte Kontakte zwischen Tripolis und
Washington geschaltet wurden, kann ich den USA den Platz auf der „Achse des Bösen“ noch nicht so richtig verzeihen
- ich sehe die Figur Garang kritisch: Unruhestifter! Nutzt die Krise in Darfur aus, um die Stellung der Regierung in den Friedensverhandlungen zu schwächen…