John
Garang de Mabior
Biographisches
Geboren wurde Garang 1945 in einer christlichen
Familie in der südsudanesischen Provinz Jonglei. Auf Sekundarunterricht
in Tansania folgte ein Studium am Grinell College in Iowa in den USA.
Diese Zeit nennt Garang gern die prägende Zeit seines Lebens.
Zurück in Afrika, bekam er 1967 eine Stellung an der Universität
von Daressalam in Tansania. Da schloss er sich der "University
Students African Revolutionary Front" an, einem Zusammenschluss
linker Intellektueller. Viele dieser 68er sind heute in ihren Ländern
an der Macht, zum Beispiel Ugandas heutiger Präsident Yoweri
Museveni, mit dem Garang seit der Studienzeit eng befreundet ist.
Zunächst aber kehrte Garang 1970 zurück nach Sudan und schloss
sich der Anyanya-Bewegung an, der ersten Rebellion des Südsudan.
1972 endete diese Rebellion mit einem Friedensabkommen, das dem Südsudan
Autonomie gewährte. Die meisten Anyanya-Rebellen bekamen Positionen
in Sudans Armee, auch Garang. Innerhalb von vier Jahren war er Bataillonskommandant
und wurde zum Training in die USA geschickt: Nach Fort Benning in
Georgia, wo übrigens auch Sudans heutiger Präsident Omar
el-Beshir ausgebildet wurde.
1983 wurde Garang befohlen, einen Aufstand von 500 süd-sudanesischen
Soldaten niederzuschlagen. Anstatt seine Auftrag zu erfüllen
gründete Garang die Rebellen-Bewegung „Sudan People´s
Liberation Army“ (SPLA), welche sich gegen die muslimische Regierung
richtete und Soldaten dazu aufforderte, sich gegen die Regierung und
die Scharia aufzulehnen. Diese Aufstände markieren den Beginn
des zweiten sudanesischen Krieges.
Es ist eine rätselhafte Karriere hat Garang vorzuweisen, und
ähnlich rätselhaft ist die SPLA insgesamt. In zwei Jahrzehnten
hat sie sich vom Marxismus zum Christentum gewandt. Dieser Umschwung
brachte ihr Geld von christlichen Fundamentalisten in den USA. Ob
die SPLA Unabhängigkeit für den Süden wollte oder Autonomie
plus Machtbeteiligung im ganzen Land, war nie klar. Dass Garang nur
Autonomie wollte, war bekannt, aber andere SPLA-Führer wie Mitgründer
Bol, Lam Akol oder Riek Machar wollten die Unabhängigkeit. Sie
verließen die SPLA, gründeten eigene Gruppen - und schlossen
viel früher als Garang Frieden mit Khartum.
Hintergrund / berufl. Position
/ Aufgabe / Funktion
Garang spielt als Gründer aber vor allem als
Führer der SPLA die wichtigste Position im Südsudan. Deswegen
vertrat er den Südsudan in den Friedensverhandlungen mit Khartum.
Ab dem 8. Juli wird er der Vizepräsident des Sudans und der Premierminister
des Südsudans sein.
Interessen & Positionen
Das größte Interesse hat Garang an seinem
persönlichen Machterhalt. Wegen der vielen Konflikte innerhalb
des Südsudans ist er ständig bemüht seinen Einflussbereich
zu erhalten. Das bedingt, dass er sehr vorsichtig sein muss, denn
es darf zu keiner Eskalation der verschiedenen Gruppierungen im Süden
kommen. Er weiß, dass er eine wachsende Opposition hat, aber
er weiß auch, dass er bei einer Wahl auf Unterstützung
von Bevölkerungsteilen aus dem Norden zählen könnte.
Garang will keinen unabhängigen Südsudan, er will einen
säkularen neuen Sudan. Das macht ihn zu einem wichtigen Verhandlungspartner,
denn der internationalen Gemeinschaft ist bewusst, dass ein vereinigter
Sudan die einzige Option ist, die Khartum tolerieren würde. Garang
möchte außerdem Präsident des Sudans werden und kann
aus den oben genannten Gründen auf große internationale
Unterstützung hoffen. Gleichzeitig muss er es aber auch schaffen,
die Bevölkerung des Südsudans davon zu überzeugen,
dass ein vereinter Sudan am besten für alle ist und vor allem
dass er der beste Vertreter für den Südsudan ist. Dabei
ist es wichtig, dass er z.B. die Unterstützung der Nuers hat.
Deshalb sollte Garang gute Beziehungen zu Riek Machar pflegen, obwohl
dieser ihn schon einmal verraten hat. Wichtig ist, dass Garang der
Bevölkerung sehr schnell zeigt, dass es bergauf geht, dass heißt
er muss viel Geld in Infrastruktur usw. investieren und der Bevölkerung
im Süden klar machen, dass eine Abspaltung nicht notwendig ist.
Gleichzeitig hat Garang kein Interesse, auch nicht als Vize-Präsident,
sich in den Konflikt in Darfur einzumischen. Zwar hat er Verbindungen
zur SLA, trotzdem würden er mit einer persönlichen Intervention
Gefahr laufen, den Druck der von internationalen Akteuren auf Khartum
ausgeübt wird, zu schwächen. Außerdem würde er
bei einem Versagen sein öffentliches Bild beschädigen.
Ressourcen
Garang hat die Unterstützung vieler wichtiger
Akteure. So wird er z.B. von den USA unterstützt. Außer
Russland und China sind die meisten Länder auf der Seite Garangs.
Auch Libyen, Uganda und Äthiopien unterstützen Garang. Des
Weiteren verfügt Garang, bzw. die SPLA über eine Armee von
ca. 50.000-60.000 Soldaten. Eine weitere wichtiger Einflussfaktor
des Südsudans und somit Garangs sind die Ölvorkommen. Ein
weiteres Druckmittel gegenüber der Regierung ist die Zugstrecke
von Süden nach Norden, die in der Vergangenheit schon mehrfach
von der SPLA blockiert wurde, um politische Interessen durchzudrücken.
Verbündete Akteure
Libyen, Uganda, Äthiopien, USA, EU, SLA, Riek
Machar (größtenteils), Yasir Sa’id, Salva Kiir
Gegnerische Akteure
Alle Akteure der Regierung in Khartum, Southern
Sudan Defence Forces (SSDF), China, Janjahweed |