projektkrise 2004geschichte

John Garang de Mabior

 

Biographisches

Geboren wurde Garang 1945 in einer christlichen Familie in der südsudanesischen Provinz Jonglei. Auf Sekundarunterricht in Tansania folgte ein Studium am Grinell College in Iowa in den USA. Diese Zeit nennt Garang gern die prägende Zeit seines Lebens. Zurück in Afrika, bekam er 1967 eine Stellung an der Universität von Daressalam in Tansania. Da schloss er sich der "University Students African Revolutionary Front" an, einem Zusammenschluss linker Intellektueller. Viele dieser 68er sind heute in ihren Ländern an der Macht, zum Beispiel Ugandas heutiger Präsident Yoweri Museveni, mit dem Garang seit der Studienzeit eng befreundet ist.
Zunächst aber kehrte Garang 1970 zurück nach Sudan und schloss sich der Anyanya-Bewegung an, der ersten Rebellion des Südsudan. 1972 endete diese Rebellion mit einem Friedensabkommen, das dem Südsudan Autonomie gewährte. Die meisten Anyanya-Rebellen bekamen Positionen in Sudans Armee, auch Garang. Innerhalb von vier Jahren war er Bataillonskommandant und wurde zum Training in die USA geschickt: Nach Fort Benning in Georgia, wo übrigens auch Sudans heutiger Präsident Omar el-Beshir ausgebildet wurde.
1983 wurde Garang befohlen, einen Aufstand von 500 süd-sudanesischen Soldaten niederzuschlagen. Anstatt seine Auftrag zu erfüllen gründete Garang die Rebellen-Bewegung „Sudan People´s Liberation Army“ (SPLA), welche sich gegen die muslimische Regierung richtete und Soldaten dazu aufforderte, sich gegen die Regierung und die Scharia aufzulehnen. Diese Aufstände markieren den Beginn des zweiten sudanesischen Krieges.
Es ist eine rätselhafte Karriere hat Garang vorzuweisen, und ähnlich rätselhaft ist die SPLA insgesamt. In zwei Jahrzehnten hat sie sich vom Marxismus zum Christentum gewandt. Dieser Umschwung brachte ihr Geld von christlichen Fundamentalisten in den USA. Ob die SPLA Unabhängigkeit für den Süden wollte oder Autonomie plus Machtbeteiligung im ganzen Land, war nie klar. Dass Garang nur Autonomie wollte, war bekannt, aber andere SPLA-Führer wie Mitgründer Bol, Lam Akol oder Riek Machar wollten die Unabhängigkeit. Sie verließen die SPLA, gründeten eigene Gruppen - und schlossen viel früher als Garang Frieden mit Khartum.

Hintergrund / berufl. Position / Aufgabe / Funktion

Garang spielt als Gründer aber vor allem als Führer der SPLA die wichtigste Position im Südsudan. Deswegen vertrat er den Südsudan in den Friedensverhandlungen mit Khartum. Ab dem 8. Juli wird er der Vizepräsident des Sudans und der Premierminister des Südsudans sein.

Interessen & Positionen

Das größte Interesse hat Garang an seinem persönlichen Machterhalt. Wegen der vielen Konflikte innerhalb des Südsudans ist er ständig bemüht seinen Einflussbereich zu erhalten. Das bedingt, dass er sehr vorsichtig sein muss, denn es darf zu keiner Eskalation der verschiedenen Gruppierungen im Süden kommen. Er weiß, dass er eine wachsende Opposition hat, aber er weiß auch, dass er bei einer Wahl auf Unterstützung von Bevölkerungsteilen aus dem Norden zählen könnte. Garang will keinen unabhängigen Südsudan, er will einen säkularen neuen Sudan. Das macht ihn zu einem wichtigen Verhandlungspartner, denn der internationalen Gemeinschaft ist bewusst, dass ein vereinigter Sudan die einzige Option ist, die Khartum tolerieren würde. Garang möchte außerdem Präsident des Sudans werden und kann aus den oben genannten Gründen auf große internationale Unterstützung hoffen. Gleichzeitig muss er es aber auch schaffen, die Bevölkerung des Südsudans davon zu überzeugen, dass ein vereinter Sudan am besten für alle ist und vor allem dass er der beste Vertreter für den Südsudan ist. Dabei ist es wichtig, dass er z.B. die Unterstützung der Nuers hat. Deshalb sollte Garang gute Beziehungen zu Riek Machar pflegen, obwohl dieser ihn schon einmal verraten hat. Wichtig ist, dass Garang der Bevölkerung sehr schnell zeigt, dass es bergauf geht, dass heißt er muss viel Geld in Infrastruktur usw. investieren und der Bevölkerung im Süden klar machen, dass eine Abspaltung nicht notwendig ist.

Gleichzeitig hat Garang kein Interesse, auch nicht als Vize-Präsident, sich in den Konflikt in Darfur einzumischen. Zwar hat er Verbindungen zur SLA, trotzdem würden er mit einer persönlichen Intervention Gefahr laufen, den Druck der von internationalen Akteuren auf Khartum ausgeübt wird, zu schwächen. Außerdem würde er bei einem Versagen sein öffentliches Bild beschädigen.

Ressourcen

Garang hat die Unterstützung vieler wichtiger Akteure. So wird er z.B. von den USA unterstützt. Außer Russland und China sind die meisten Länder auf der Seite Garangs. Auch Libyen, Uganda und Äthiopien unterstützen Garang. Des Weiteren verfügt Garang, bzw. die SPLA über eine Armee von ca. 50.000-60.000 Soldaten. Eine weitere wichtiger Einflussfaktor des Südsudans und somit Garangs sind die Ölvorkommen. Ein weiteres Druckmittel gegenüber der Regierung ist die Zugstrecke von Süden nach Norden, die in der Vergangenheit schon mehrfach von der SPLA blockiert wurde, um politische Interessen durchzudrücken.

Verbündete Akteure

Libyen, Uganda, Äthiopien, USA, EU, SLA, Riek Machar (größtenteils), Yasir Sa’id, Salva Kiir

Gegnerische Akteure

Alle Akteure der Regierung in Khartum, Southern Sudan Defence Forces (SSDF), China, Janjahweed