projektkrise 2004geschichte

Dr. Hassan al-Turabi

ca. 73 Jahre alt, Chefideologe und Mastermind des sudanesischen Islamismus

Biographisches

- Kleiner Mann mit großen rhetorischen Fähigkeiten, zahlreiche „wissenschaftliche“ Publikationen (Standardwerke wie Dialog der Religion und der Kunst, Das Gebet - Pfeiler der Religion oder Lektüre in den Quellen des islamischen politischen Denkens)

- verheiratet mit Wisal al-Mahdi, der Schwester von Sadiq al- Mahdi (Führer der Umma-Partei), dessen demokratisch gewählte Regierung er 1989 zusammen mit Bashir stürzte

- nutzte seine zahlreichen Gefängnisaufenthalte, um Fremdsprachen zu erlernen (neben arabisch fließend in englisch, französisch und deutsch)

- im März 2004 verhaftet wg. Verdacht auf Planung eines Staatsstreiches gegen Bashir in Verbindung mit den Ausschreitungen in West-Darfur, seit April 2005 „nur noch“ in Hausarrest

Hintergrund / berufl. Position / Aufgabe / Funktion

- 60er Jahre: Gründung und Ausbau der Islamic Charter Front zur Islamisierung des bis dahin säkularen Sudan

- 80er Jahre: Generalstaatsanwalt unter Präsident Numairi und verantwortlich für die Einführung der Sharia in das sudanesische Rechtssystem

- nach Sturz Numairis Gründung der National Islamic Front (NIF), drittstärkste politische Kraft im 1986 neu gewählten Parlament

- politisch einflussreichste Zeit für die NIF mit dem militärischen Staatsstreich Hasan al-Bashirs 1989, der nach eigenen Angaben seit den 1960er Jahren der islamischen Bewegung Turabis angehörte

- radikaler Islamisierungsprozesses ab 1990 mit der Geschlechtertrennung im öffentlichen Leben, der Wiedereinführung der Scharia im März 1991, dem Alkoholverbot von 1994 und dem Kleiderkodex für Frauen im Januar 1999 =
Turabi schaffte einen zweiten tatsächlich islamischen Staat neben dem Iran!

- Zenit seiner Macht: 1996 ließ sich Turabi zum Parlamentsvorsitzenden wählen und im Februar 1998 übernahm er den Posten des Generalsekretärs des National Congress, der neu formierten islamistischen Staatspartei

- aber: Machtkampf mit Bashir 1999, Entlassung aus allen Ämtern

- Gründung einer eigenen neuen (Oppositions-)Partei, des Popular National Congress; im Februar 2001 sogar Bündnis mit der Sudan People’s Liberation Army - Anlass für seine umgehende Verhaftung wegen Landesverrats

Interessen & Positionen

Generell: islamistisches Gesellschaftsprojekt, sharia als Rechtsgrundlage, eher moralische als konkret materielle Ansprüche,

Ressourcen

-Diverse Kontakte zur globalen islamistischen Bewegung (Iran, Saudi-Arabien etc., Sympathisant von Al-Kaida), Beziehungen zu arabischen Banken etc., bisherige Erfolge dank finanzkräftiger Unterstützung aus dem islamischen Bankensektor und professioneller Medienarbeit

- hohe Popularität im islamischen Teil der sudanesischen Gesellschaft

Verbündete Akteure

- mutmaßlich enge Verbindungen zur JEM, sogar SPLA-Kontakte, chinesische Ölfirmen seit den 90er Jahren, alle fundamentalistisch-islamistischen Strömungen, Iran, Al-Kaida usw.

Gegnerische Akteure

- Bashir, Taha und die gesamte sudanesische Regierung, allerdings könnte Verhältnis zu Turabis ehemaligen Protégés Taha und Bashir auch wieder gekittet werden

- USA und der gesamte Westen, völlig ausgeschlossen: Einlenken bzw. Kollaboration beim Kampf gegen den Terror